Aktuelle Meldungen
24.06.2026
Rückblick auf die NWO-Exkursion am 20. Juni ins Westmünsterland
Unsere diesjährige Exkursion führte uns ins Westmünsterland. Hier liegen mit dem Zwillbrocker Venn und den Amtsvennwiesen zwei der wichtigsten Schutzgebiete in NRW für Vogelarten der Moore und Feuchtwiesen. Geleitet wurde die Exkursion von einem Team der Biologischen Station Zwillbrock.
Etwa 30 Vogelbegeisterte trafen sich am Samstagvormittag bei sonnigem und heißem Wetter am Parkplatz im kleinen Ort Zwillbrock im Kreis Borken. Wir befinden uns hier im äußersten Westen des Münsterlandes – die Grenze zu den Niederlanden ist oft nur einen Steinwurf entfernt. Zum anderen befinden wir uns hier am Südwestrand der europäischen Verbreitung der Tiefland-Hochmoore. Beides hat dazu beigetragen, dass sich hier im Zwillbrocker Venn eine in NRW nahezu einzigartige Landschaft entwickelt hat und zumindest in vielen Teilen auch erhalten hat. Als in den 1970er Jahren wie andernorts auch die Flurbereinigung stattgefunden hat, konnten glücklicherweise größere Flächen in öffentlicher Hand unter Schutz gestellt werden. Teile des Gebietes wurden bereits im Jahr 1938 unter Schutz gestellt. Das Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn ist eine abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, Wiesen, Moor und Gewässern. Herz des Gebietes und auch bei der Exkursion erstes Ziel ist aber sicherlich das große Flachgewässer. Es entstand nach Ende des Torfabbaus. Auch wenn die Brutzeit schon fortgeschritten war, konnten wir die vielfältige Vogelwelt des Gebietes hautnah erleben. Mehrere Personen hatten Spektive dabei und die verschiedenen Beobachtungsplätze, darunter eine Beobachtungshütte und auch ein Bereich, der nur ausnahmsweise in Begleitung der Biostationsmitarbeitenden zugänglich war, bot ausgezeichnete Beobachtungsbedingungen, ohne die Vögel zu stören. Wir hörten Pirol und Teichrohrsänger und Kraniche flogen vorbei, berühmt ist das Zwillbrocker Venn aber natürlich vor allem für seine Flamingos. Dieses Jahr gab es wieder zahlreiche Nester und einige Jungvögel waren bereits groß genug, um sich in kleinen „Kindergärten“ zusammenzuschließen. Seit 1982 gibt es Flamingos im Zwillbrocker Venn. Die Population besteht aus den aus Südamerika stammenden Chileflamingos, die erstmals 1982 festgestellt wurden. Eine Zeit lang gab es auch zwei Kubaflamingos. Daneben gibt es auch Rosaflamingos, die u.a. in Südeuropa heimisch sind. Die Vögel sind nur im Sommerhalbjahr anwesend, im August/September erfolgt der Abzug in die Winterquartiere an der niederländischen Küste. Das ursprünglich nährstoffarme Gewässer wurde wahrscheinlich erst durch die Ansiedlung einer Schlüsselart für die Flamingos als Brutgewässer interessant. Auch wenn ihre Zahl mittlerweile wieder abgenommen hat, brüten im Zwillbrocker Venn immer noch Tausende Lachmöwen! Ihre Hinterlassenschaften haben den ursprünglich nährstoffarmen Moorsee in ein deutlich eutropheres Gewässer verwandelt, das mehr Nahrung für die Flamingos bietet. Die Möwen finden wie die Flamingos auch Schutz vor Landraubtieren auf einer Insel. Unter die Lachmöwen mischen sich außerdem einzelne Paare Schwarzkopfmöwen, eine früher vor allem in Süd- und Südosteuropa beheimatete Möwenart, die sich ohne direktes menschliches Zutun nach Mitteleuropa ausgebreitet hat. In NRW sind die Vögel mit den im Prachtkleid schwarzen Köpfen und den weißen Flügeln nur an wenigen Stellen zuverlässig zu beobachten. Eine weitere Art, die von der Anwesenheit der Möwen profitiert, ist der Schwarzhalstaucher, von denen mehrere Paare im Gebiet brüten. Wir konnten mehrere Individuen inkl. Nachwuchs dieses attraktiven und bei uns seltenen Wasservogels beobachten. Gefährdet ist das Gebiet durch den Klimawandel – in den letzten Jahren trocknete der See teilweise aus.
Zur Mittgaszeit kehrten wir dann in ein nahegelegenes Restaurant ein. Draußen im Biergarten an zwei großen Tischen im Schatten gab es die verdiente Stärkung. Am Nachmittag stand der zweite Teil der Exkursion auf dem Programm. Mit dem Auto ging es zu den weiter nördlich gelegenen Amtsvennwiesen – eines der bedeutendsten Gebiete für Wiesenvögel in NRW. Das Amtsvenn ist ein auf deutscher Seite insgesamt etwa 9 km² großes Moorgebiet entlang der Grenze, das sich als Aamsveen auf niederländischer Seite fortsetzt. Das Gebiet wurde erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch eine Straße wirklich erschlossen. Bis in die 1970er Jahre erfolgte Torfabbau. Seit 1983 steht das Kerngebiet des Amtsvenns unter Schutz, 2004 erfolgte eine Erweiterung und Zusammenlegung vorheriger Schutzgebiete als 893 ha großes Naturschutzgebiet Amtsvenn-Hündfelder Moor. Wie auch das Zwillbrocker Venn ist das Amtsvenn Teil des Vogelschutzgebietes „Moore und Heiden des westlichen Münsterlandes“. Im Rahmen des Projektes LIFE-Wiesenvögel-NRW finden seit 2021 dort dankenswerterweise viele Maßnahmen statt, um das Gebiet als bedeutenden Brutlebensraum für diese hochbedrohte Vogelgruppe zu erhalten und zu verbessern: Blänken wurden angelegt und Gehölze entfernt, um das Gebiet für Offenlandbewohner attraktiv zu erhalten. Hinzu kommen mittlerweile 9 km Zaun sowie eine intensivere Bejagung möglicher Prädatoren. Das Gebiet beherbergt landesweite Schwerpunktvorkommen vom Großen Brachvogel und der Uferschnepfe, die mit jeweils knapp 20 Paaren hier brüten. Auch Kiebitze brüten – ihre Bestände sind mehr als doppelt so groß. Für alle drei Arten war dieses Jahr bisher erfolgreich – zahlreiche Jungvögel wurden flügge. Vor dem Hintergrund, dass viele Uferschnepfenpopulationen in NRW in den letzten Jahren und Jahrzehnten verschwanden und die Art weiterhin vom Aussterben bedroht ist, eine bemerkenswerte kurzfristige Entwicklung, über die sich alle Exkursionsteilnehmenden sehr gefreut haben – nicht zuletzt auch, weil sich die Uferschnepfen auch entsprechend leicht beobachten ließen: Die Altvögel sitzen gerne auffällig auf Zaunpfählen und auch überfliegend ließen sich die eleganten Limikolen ausgiebig beobachten. Auch ein Großer Brachvogel zeigte sich, bevor gegen 17 Uhr die Exkursion zu Ende war.
Unser herzlicher Dank geht an Dietmar Ikemeyer, Max Roth und Daniela Reich von der Biologischen Station Zwillbrock für die exzellente Leitung und Organisation der Exkursion.
21.06.2026
Wer macht den Sommer? Schwalben in NRW
Heute ist meterologischer Sommeranfang. Alle drei regelmäßig in Nordrhein-Westfalen brütenden Schwalben sind längst in ihren Brutgebieten angekommen und die meisten sind bereits eifrig mit der Brut beschäftigt. Allerhöchste Zeit also, um sich mit den heimischen Schwalbenarten vertraut zu machen, aber welche Arten sind es, wo leben sie, wie kann man sie unterscheiden und wie sieht es eigentlich um den Schutz der Schwalben aus?
Schwalben sind wie kaum eine andere Singvogelfamilie an das Leben in der Luft angepasst. Weltweit werden aktuell 92 Arten unterschieden (IOC World Bird List 15.1, www.worldbirdnames.org), von denen drei regelmäßig in NRW brüten: Rauchschwalbe, Mehlschwalbe und Uferschwalbe. Alle drei sind elegante schlanke Vögel mit dreieckig wirkenden, spitzen, relativ langen Flügeln und meist auffällig gegabelten Schwänzen.
Rauchschwalbe Hirundo rustica
Die Rauchschwalbe ist vielleicht die bekannteste heimische Schwalbenart. Rauchschwalben sind oberseits dunkelblau mit langem Schwanz, wobei vor allem die Männchen auffällige Schwanzspieße haben, die Jungvögeln im Spätsommer aber noch fehlen und die deshalb manchmal mit anderen Arten verwechselt werden. Unterseits haben die Vögel eine rötliche Kehle, die von einem dunkelblauen Brustband abgeschlossen wird. Der Bauch ist weiß, kann aber bei einzelnen Vögeln auch hier bei uns rötlich sein. Wer in gängige Bestimmungsbücher schaut, denkt dabei vielleicht irrtümlich an Unterarten aus anderen Regionen. Rauchschwalben sind fast kosmopolitisch verbreitet. Sie leben als Brutvögel in ganz Europa, weiten Teilen Asiens und Nordamerika, die Winterquartiere liegen in den Tropen. „Unsere“ Schwalben überwintern in Afrika südlich der Sahara. Heute kaum zu glauben, aber früher dachte man, die Vögel würden im schlammigen Grund von Gewässern überwintern. Vielleicht spielten Schlafplätze im Schilf an Gewässerrändern eine Rolle bei der Entstehung dieser Vermutung.
Rauchschwalben brüten vor allem im Inneren von Gebäuden, insbesondere in eher dunkleren Viehställen. Mit der Aufgabe kleinbäuerlicher Strukturen, der Aufgabe der Viehhaltung und neuartigen Ställen haben sie Brutlebensraum verloren. Wie alle Schwalben sind sie als Insektenfresser auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot angewiesen. Das Insektensterben könnte also ebenfalls eine wichtige Rolle beim Bestandsrückgang spielen. In NRW lebten im Zeitraum 2005-2009 laut Brutvogelatlas noch 47.000 bis 90.000 Brutpaare, wobei der Bestandstrend abwärts zeigt. Die Art steht als gefährdet auf der Roten Liste.
Mehlschwalbe Delichon urbicum
Während Rauchschwalben in NRW fast nur im ländlichen Raum brüten, sind Mehlschwalben in Städten und Dörfern verbreitet. Sie bauen ihre Nester außen an Gebäuden – oft sind es Häuser mit hellem Putz und überstehender Traufe - ein Sekundärlebensraum, an Küsten und im Gebirge werden Kalksteinfelsen besiedelt. Auch Mehlschwalben sind oberseits tief dunkelblau, die nahezu rein weiße Unterseite und der weiße Bürzel machen die Bestimmung unter guten Bedingungen aber unproblematisch. Schwanzspieße fehlen.
Leider werden immer wieder Nester von Häusern entfernt, obwohl das sogar eine Straftat darstellt. Wer sich am Kot stört, kann leicht mindestens einen Meter unter den Nestern kleine Brettchen anbringen. Mancherorts wird den Vögeln mit Kunstnestern oder sogenannten Schwalbenhotels geholfen. Unsere AG Gebäudebrüter hat zahlreiche Informationen und Praxisbeispiele zu diesem Thema.
In NRW steht es um die Mehlschwalbe ähnlich schlecht wie um die Rauchschwalbe. Im Brutvogelatlas sind für 2005 bis 2009 36.000 bis 68.000 Brutpaare angegeben und die Art steht als gefährdet auf der Roten Liste. Wie alle Schwalben sind Mehlschwalben Langstreckenzieher, die meist wenige Wochen nach den Rauchschwalben im Brutgebiet ankommen.
Uferschwalbe Riparia riparia
Die kleinste und am wenigsten bekannte heimische Schwalbe ist die Uferschwalbe. Sie bewohnt natürlicherweise die Steilufer von Flüssen, in die sie lange Röhren gräbt. Abgrabungen sind nach der Begradigung unserer Fließgewässer zu einem wichtigen Sekundärlebensraum geworden. Uferschwalben sind oberseits gänzlich braun, unterseits gibt es ein braunes Brustband auf hellem Untergrund.
Neben der Vernichtung des Lebensraumes stellen Störungen an den verbliebenen Brutplätzen eine wichtige Gefährdung dar. Die Bestände schwanken aber auch stark in Anhängigkeit von den Niederschlägen in der Sahelzone. Wer möchte, kann sich beim Uferschwalbenmonitoring im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel bei der Erfassung der Bestandstrends selbst engagieren. In NRW lebten im Atlaszeitraum 4.000 bis 6.000 Brutpaare und die Art gilt als stark gefährdet.
Die Liste der Schwalbenarten in NRW wäre allerdings nicht vollständig, würden wir nicht noch zwei Ausnahmeerscheinungen erwähnen. Rötelschwalben sind im Mittelmeerraum weit verbreitet und werden in seltenen Fällen auch in NRW beobachtet. Von der Felsenschwalbe, deren nächste Brutplätze in Süddeutschland liegen, gibt es erst eine Beobachtung aus NRW.
Wird das Wetter schlecht, wenn die Schwalben tief fliegen?
Das Sprichwort kann leider so einfach nicht mit ja beantwortet werden. Allerdings ist bei kühlen Wetterbedingungen und Regen die Nahrungsverfügbarkeit reduziert – Fluginsekten bleiben eher am Boden bzw. an geschützten Stellen. Ohne Thermik wird vielleicht auch nicht so viel Luftplankton in obere Luftschichten verfrachtet. Oft sieht man Schwalben dann niedrig über Gewässern oder Wiesen und Weiden jagen, wo die Nahrungsverfügbarkeit größer ist. Auch vor Gewitterfronten jagen manchmal Schwalben und die äußerlich ähnlichen, aber nicht näher verwandten Mauersegler. Und wenn es schon um Sprichworte geht, die allerersten Rauchschwalben kommen in NRW oft schon Mitte März an (in Ausnahmefällen auch schon früher), die Brutgebiete selbst werden zwar spätestens im April besetzt, aber Sommer ist dann auch noch nicht. Der Sommer ist bei Schwalben die Zeit der Jungenaufzucht aber die Vögel nehmen es uns sicherlich nicht übel, dass wir sie als Boten der warmen Jahreszeit betrachten.
18.06.2026
Vogelzug: „Winter is coming“ im Juni? Start des Wegzuges im Frühsommer
Das ganze Jahr über sind weltweit Vögel irgendwo auf dem Zug in ihre Brut- und Winterquartiere. Der Juni ist in Mitteleuropa vielleicht der ungewöhnlichste Monat, denn Heim- und Wegzug können sich zu dieser Jahreszeit bei uns sogar kreuzen.
Erst vor Kurzem berichteten wir über die Ankunft von Langstreckenziehern wie dem Sumpfrohrsänger. Schließlich erreichen viele Transsaharazieher unsere Breiten erst im Mai. Die letzten Zugvögel besetzen ihre Reviere sogar erst Ende Mai. Hocharktische Brutvögel können noch im Mai durchziehen, nicht selten gelingen zu dieser Jahreszeit schöne Beobachtungen von im Binnenland eher selten zu beobachtenden Limikolen und nachts ist selbst über Siedlungen der Ruf bzw. Gesang ziehender Wachteln zu hören. Einige sind noch Anfang Juni auf der Zwischenrast zu sehen. Normalerweise weiter südlich brütende Zugvögel erreichen zu dieser Jahreszeit ebenfalls manchmal Gebiete weiter nördlich. Oft wird vermutet, dass sie über das Ziel hinausschießen, weshalb auch von „Zugprolongation“ oder „Overshootern“ gesprochen wird. Manchmal ergeben sich dadurch Beobachtungen regional seltener Arten, die für viele von uns mindestens das Salz in der Suppe der Vogelbeobachtung ausmachen. So ist der Juni der Monat, in dem es immer wieder zu Einflügen von Gänsegeiern nach NRW kommt. Auch aus den vergangenen Wochen finden sich auf ornitho.de Meldungen aus NRW.
Im Juni haben viele Standvögel und Kurzstreckenzieher aber auch bereits Junge. Diese streifen umher und können ggf. auch in ungewöhnlichen Lebensräumen auftauchen. Doch auch abgesehen von diesen eher ungerichteten Bewegungen, gibt es bereits einige Vögel, die sich auf den regulären Weg in ihre Überwinterungsgebiete machen. Für diese Arten gilt bereits im Frühsommer, der aus einer Fantasyserie bekannte Spruch „Winter ist coming“.
Ein prominentes Beispiel ist der Kuckuck. Die Altvögel kümmern sich bekanntlich nicht um den Nachwuchs, die Wirte haben mit der Brut begonnen und es gibt daher erstmal, keine weiteren Gründe im Brutgebiet zu bleiben. Auch unter den Limikolen setzt der Wegzug nun teilweise ein. Eine unserer Flaggschiffarten im Natur- und Vogelschutz, die Uferschnepfe, macht sich nun langsam auf in ihre Rastgebiete. Diese liegen beispielsweise in den küstennahen Feuchtgebieten auf der Iberischen Halbinsel. Die Doñana in Andalusien oder die Tejo-Mündung in Portugal sind die nächsten bedeutenden Ziele. Vor allem adulte Uferschnepfen, deren Brut früh verloren gegangen ist, machen sich bei nun auf den Weg. Auch hier lässt sich der Zug dank hochpräziser GPS-Sender online verfolgen.
Einige Limikolenarten haben eine Brutstrategie, die von dem abweicht, was viele von heimischen Singvögeln kennen. Bei einigen Arten kümmern sich nämlich vor allem die Männchen um die Brut und die Weibchen brüten nach der Eiablage noch ein zweites Mal mit einem anderen Männchen – oder ziehen eben bereits jetzt schon nach Süden. Wer im Juni einen Waldwasserläufer beobachtet, kann eigentlich nicht sicher sein, ob der Vogel gerade noch sehr spät auf dem Weg in den hohen Norden ist, oder ob es sich bereits um ein Individuum auf dem Wegzug handelt. Das bedeutet, dass es sogar denkbar ist, dass sich Vögel auf dem Heim- und Wegzug bei uns treffen.
07.06.2026
Weltseglertag: Mauersegler erfassen
Heute ist Weltseglertag! Vor dem Hintergrund der ADEBAR-Kartierungen geben wir Tipps zur Erfassung der Brutbestände der schnellen Flieger. Als Gebäudebrüter sind Mauersegler mittlerweile außerdem vielerorts schutzbedürftig.
Mauersegler sind die einzige in NRW als Brutvogel vorkommende Seglerart. Alpensegler als zweite in Deutschland brütende Art breiten sich entlang der Rheinschiene aus, haben es aus Süddeutschland nach Norden aber bisher erst bis Karlsruhe geschafft. Ob und wann sie auch NRW erreichen, vielleicht ja zuerst im Raum Bonn oder Köln, bleibt abzuwarten. Für den ADEBAR-2-Zeitraum wird es sicherlich knapp, da die Ausbreitungsgeschwindigkeit bisher nicht so hoch war.
Das nahezu einfarbig schwarze Gefieder, die sichelförmigen Flügel und die lauten „srieeh-srieeh-Rufe“ machen Mauersegler für Kartierende zum Glück ziemlich unverwechselbar. Die Vögel kommen meist Ende April/Anfang Mai aus dem Winterquartier zurück und ziehen nach der Brut um Ende Juli/Anfang August wieder ab und verbringen den Rest des Jahres auf dem Durchzug oder im afrikanischen Winterquartier quasi in der Luft. In NRW brüteten während des letzten Atlaszeitraums (Jahre 2005-2009) bei uns etwa 32.000 bis 62.000 Brutpaare. Mit einer Rasterfrequenz von 92 % war der Mauersegler nahezu flächendeckend verbreitet. Mauersegler haben allerdings Brutplätze durch Gebäudesanierungen verloren und sind als Luftplanktonjäger auch auf ausreichend Nahrung an Insekten und Spinnen angewiesen. Aus dem Vereinigten Königreich wissen wir außerdem, dass vor allem das Wetter zur Brutzeit großen Einfluss auf die Bestände haben kann (Finch et al. 2023, Ibis). Wir sind gespannt, zu welchen Ergebnissen die Kartierungen von ADEBAR 2 führen werden.
Mauersegler sind Bewohner menschlicher Siedlungen. Sie brüten an Gebäuden und brüten in Innenstädten, Industrieanlagen und Blockrandbebauung. Auch in Brücken kann es Brutplätze geben wie ein bekanntes Beispiel aus dem Siegerland gezeigt hat. Sie brüten jedenfalls keineswegs nur in Großstädten und an Hochhäusern. Gerade Kleinstädte mit alter Bausubstanz und auch Dörfer und können besiedelt sein. Einfluglöcher befinden sich meist knapp unter dem Dach. Kotspritzer liefern oft erste Hinweise. Mehrere Paare können dasselbe Einflugloch benutzen, was eine quantitative Erfassung teilweise schwierig macht. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, ob die Vögel auch tatsächlich einfliegen, da Mauersegler aus der Umgebung bzw. Nichtbrüter Brutplätze nur „überprüfen“, sich ggf. kurz festhalten und dann weiterfliegen. Bei Vögeln, die in eine Höhle oder Nische schlüpfen, empfiehlt sich der Brutzeitcode B6. Eine vielleicht einfachere Methode, die Bestände zu quantifizieren ist die Beobachtung und Erfassung von „screaming parties“ („Schrei-Feiern“) an lauen Sommerabenden bis etwa Sonnenuntergang. Der englische Begriff beschreibt Trupps von Mauerseglern, die insbesondere abends laut rufend gemeinsam um Häuser und durch Straßenschluchten fliegen. Die maximale Anzahl der Altvögel sollte hier über ornititho.de bzw. die Naturalist-App eingetragen werden (Brutzeitcode A1 ist dann sicherlich immer richtig). Ende Mai/Anfang Juni brütet einer der Altvögel abends und die Maximalzahl entspricht weitgehend der Zahl der Reviere. Nichtbrüter müssen damit vernachlässigt werden, da Ihr Anteil so kaum abzuschätzen ist. Bei der Mauerseglererfassung bietet es sich an, unvollständige Listen anzulegen, aber manchmal gelingen natürlich auch Zufallsbeobachtungen. Aufgrund der abendlichen Aktivität lässt sich die Kartierung von Mauerseglern recht gut im Vorfeld von Nachtvogelerfassungen durchführen.
In einigen Regionen in NRW kümmern sich bereits Vogelschützer:innen um Gebäudebrüter und kennen ggf. auch bereits Mauerseglerkolonien. Hier kann es sich lohnen, sich vorher untereinander abzusprechen, da dies den Kartieraufwand erheblich verringern kann.
In NRW sind keine Kolonien baumbrütenden Mauersegler bekannt. Diese gibt es aber in einigen anderen Teilen Deutschlands. Einzelnachweise von Bruten in Bäumen gibt es aber auch bei uns. Die Entdeckung einer aktuellen Baumbrut wäre eine kleine Sensation und sollte unbedingt genauer dokumentiert und ggf. veröffentlicht werden. Ein schon einige Jahre zurückliegender Brutnachweis erfolgte in einem Baum im Siedlungsbereich (von Dewitz et al. 2011, Charadrius ) und aus NRW gab es auch mal eine Veröffentlichung zu einer Brut in einem Mehlschwalbennest (Riegel 1985, Charadrius). Das zeigt, dass auch bei gut erforschten Vogelarten Überraschungen immer möglich sind. Vielleicht gelingen im Rahmen von ADEBAR 2 ja ähnliche Beobachtungen.
02.06.2026
Neuer Rekord bei den Flussseeschwalben an der Weser
Barbara C. Meyer und Stefan R. Sudmann kümmern sich seit Jahrzehnten erfolgreich um den Schutz der bedrohten Flusssseeschwalbe. Die eleganten Fischjäger brüten ursprünglich an naturbelassenen Flüssen und Strömen mit ungestörten Kiesbänken. Da diese Lebensräume im mitteleuropäischen Binnenland nahezu verschwunden sind, bieten künstliche Flöße einen geeigneten Ersatzlebensraum. Nun können die beiden Biologen von einem neuen Erfolgserlebenis berichten.
„Bei der Kontrolle der Brutflöße in der Weseraue im Rahmen des vom LANUK (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima) unterstützten NRW-weiten Monitorings wurden jetzt 40 Brutpaare festgestellt - so viele wie noch nie in diesem Landesteil. 39 Paare dängeln sich auf einem 16 m² großen Floß auf der Grube Mittelweser! Vier Küken sind bereits geschlüpft. Es ist durchaus möglich, dass sich noch weitere Brutpaare an anderer Stelle ansiedeln. Ein toller Erfolg, der durch den Einsatz der Biologischen Station Minden-Lübbecke, möglich wurde.“
Barbara C. Meyer & Stefan R. Sudmann
01.06.2026
Tag der Artenvielfalt 2026
Am gestrigen Sonntag wurde der „Tag der Artenvielfalt“ mit einem großen Fest im Botanischen Garten Bonn gefeiert. Unsere lokale Regionalgruppe, die OAG Bonn, war mit einem Stand dabei.
Am frühen Vormittag ging eine heftige Gewitterfront über das südliche Rheinland. Pünktlich zum Aufbau war es dann mit dem Regen vorbei und es sollte auch den ganzen Tag trocken bleiben. Dass die Sonne sich kaum zeigte, war nicht schlimm, nur die Informationsmaterialien wurden vom Wind ab und zu neu sortiert. Der Vogelgesang hielt aber den Tag über an und es wurde nicht so heiß wie in der Woche zuvor.
Insgesamt waren es beste Voraussetzungen, um den ganzen Tag über im Stundentakt vogelkundliche Exkursionen durch den Botanischen Garten anzubieten. Diese Führungen sind unbestritten das Highlight unserer Aktivitäten während des Tags der Artenvielfalt. Obwohl nicht besonders groß und inmitten dichter Bebauung gelegen, beherbergt der Botanische Garten in Bonn eine reiche Vogelwelt. Dazu tragen vor allem die schönen alten Bäume und die großflächigen Gewässer bei. Wir konnten den Teilnehmenden Sommergoldhähnchen ebenso zeigen wie Mäusebussarde und auch Stockente und Teichhuhn mit ihren Jungen. Mehrere Dutzend Personen haben wir so für die Vogelbeobachtung begeistern können.
Auch am Stand konnten wir uns intensiv mit den Besuchenden austauschen und unsere verschiedenen Tätigkeiten vorstellen. So berichteten wir ausführlich für ADEBAR 2 und die diversen Monitoringprogramme von DDA und NWO, brachten Flyer von OAG Bonn und NWO unter die Leute und beantworteten vogelkundliche Fragen. Einige davon waren erstaunlich konkret, z.B. ging es um das Turmfalkenpaar an einem bestimmten Gebäude und selbst nach einer Artpatenschaft für den Atlas wurde bereits gefragt. Andere Fragen drehten sich um auch sonst häufig genannte Themen wie die Vogelfütterung.
Die Veranstaltung endete um 17:00 Uhr. Leider war der Andrang etwas geringer als in den letzten Jahren. Vielleicht lag es daran, dass Stände auch außerhalb des Hauptgeländes standen. Auch hatten einige andere Verbände leider absagen müssen.
Umso begeisterter sind wir, dass uns die übrigesn rein ehrenamtliche Teilnahme wieder möglich war. Unser Dank geht an Esther Koch und Kathrin Schidelko für die exzellente Orga und an alle Beteiligten der OAG Bonn, die am Stand waren, Exkursionen geleitet haben und beim Ab- und Aufbau geholfen haben.
Vielen Dank an die Botanischen Gärten der Universität Bonn und alle Besucher:innen für die rundum gelungene Veranstaltung.
01.06.2026
NWO-Exkursion: Flamingos und Möwen im Zwillbrocker Venn & Wiesenlimikolen in den Amtsvennwiesen
Datum: 20.06.2026, 10:00 Uhr bis ca. 15:30 Uhr (1 Stunde Mittagspause und 30 Min Autotransfer)
Treffpunkt:Parkplatz am Zwillbrocker Venn, Google Maps
Die Exkursion beginnt im Zwillbrocker Venn, einem Schutzgebiet von knapp 200 Hektar Größe an der deutsch-niederländischen Grenze im Westen vom Kreis Borken. Es ist der Rest eines ehemaligen, weitaus größeren Hochmoorgebietes. Nach dem Verschließen von Entwässerungsgräben in den 1930er Jahren, die für bäuerliche Handtorfstiche angelegt wurden, bildete sich ein Flachwassersee. Die in diesem See befindliche Insel ist heute für seine Flamingokolonie berühmt. Neben Flamingos brüteten hier im vergangenen Jahr auch rund 2800 Lachmöwen- sowie mindestens zwei Schwarzkopfmöwenpaare. Mit etwas Glück lassen sich im Zwillbrocker Venn aber auch Blaukehlchen, Pirol und Schwarzhalstaucher beobachten. Nach circa zwei Stunden kehren wir im nahegelegenen Restaurant Kloppendiek für eine Stärkung ein, ehe wir in die 20 Autominuten entfernten Amtsvennwiesen weiterziehen. Die Amtsvennwiesen sind ein Grünlandgebiet von knapp 250 ha Größe, das sich südlich an das ehemalige Hochmoor des Amtsvenns anschließt. Beide Gebiete sind Bestandteil des Europäischen Vogelschutzgebietes "Moore und Heiden des Westlichen Münsterlandes" und damit auch des Natura 2000-Schutzgebietsnetzes. Die Amtsvennwiesen befinden sich im Norden des Kreises Borken und stellen eines der wichtigsten Brutgebiete für bedrohte Wiesenlimikolen wie Uferschnepfe oder Großen Brachvogel in NRW dar. In diesem überwiegend in Landeseigentum befindlichen Feuchtwiesengebiet werden im Rahmen des EU-Projekts LIFE Wiesenvögel NRW einige Schutzmaßnahmen durchgeführt, um den Bruterfolg der Wiesenvögel zu erhöhen. Was genau die Biologische Station Zwillbrock e.V. hier in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Jäger:innen und Landwirt:innen durchführt, sehen und erfahren die Teilnehmenden innerhalb von zwei Stunden vor Ort.
Wir bedanken uns bei der Biologischen Station Zwillbrock e.V., insbesondere Daniela Reich und Maximilian Roth für die Leitung und Organisation der Exkursion.
Die Teilnahme an der Exkursion ist kostenlos, die Verpflegung im Restaurant Kloppendiek muss jedoch selbst bezahlt werden. Bitte bilden Sie nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften. Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt! Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung per Mail an geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de.
Die Exkursion ist ausgebucht. Weitere Anmeldungen setzen wir gerne auf eine Warteliste.
23.05.2026
Beobachtungstipp – Vögel der Nacht
In den kommenden schönen Frühsommernächten lohnt sich für Vogelbeobachtende auch eine nächtliche Kartierfahrt, um den Vögeln der Nacht zu begegnen. In allen Lebensräumen sind dabei schöne und spannende Begegnungen mit z.T. selteneren und besonders interessanten Arten möglich.
In Wäldern und Grünanlagen machen um diese Jahreszeit die bettelnden Jungvögel der Eulen wie Waldohreule und Waldkauz mit auffälligen Rufen auf sich aufmerksam. In Laubwäldern kommt dazu die Waldschnepfe mit ihren eigentümlichen Balzflügen. In sehr offenen Nadelwäldern und Heiden ist in manchen Gebieten der eigentümliche Gesang der Nachtschwalben (besser als Ziegenmelker bekannt) zu hören.
In offenen Lebensräumen der Agrarlandschaft, vor allem aber in feuchten Niederungsgebieten und Flussauen und in Gewässernähe erweitert sich das Artenspektrum erheblich. Der Wachtelkönig kommt in einigen Gebieten wie der Hellwegbörde in Getreidefeldern und Brachen vor, lebt sonst aber vor allem in Feuchtwiesen und Auen. Sein nächtlicher Gesang („crex -crex“) ist weit zu hören. In der Agrarlandschaft wird er von Wachtel, Rebhuhn und Sumpfrohrsänger begleitet. Aus feuchten Hochstaudenfluren singt der Feldschwirl und mit etwas Glück vielleicht auch einmal der in NRW extrem seltene Schlagschwirl. Wird es noch nasser, können Teichrohrsänger, Wasserralle und vielleicht auch das seltene Tüpfelsumpfhuhn dazu kommen.
Alle genannten Arten stehen als im Fokus des Vogelmonitorings. Für einige von ihnen gibt es spezifische Erfassungsprogramme im Rahmendes Monitorings seltener Brutvögel, aber auch für die aktuelle ADEBAR-2-Kartierung sind sie von besonderem Interesse. Alle Beobachtungen sollten daher auf jeden Fall mit dem richtigen Brutzeitcode via ornitho.de bzw. NaturaList gemeldet werden.
Gute Gründe, sich auch einmal eine vogelkundliche Nacht um die Ohren zu schlagen!
Ralf Joest
22.05.2026
Update zu Watching people watching birds
Ein neuer Kinofilm hat großen Bezug zur NWO. Unter Beteiligung zahlreicher NWO-Ornis und einem Besuch der Filmer bei einem der vergangenen NWO-Tagungen entstand der Dokumentarfilm „Watching people watching birds“.
Der Film von Ulrike Franke und Michael Löken hat in Nordrhein-Westfalen am 6. Juni 2026 Premiere beim Kinofest Lünen. Die Weltpremiere war in Kopenhagen, die Deutschlandpremiere ist beim 41. DOK.fest in München. Die Filmemacher bewerben Ihren Film so „Politisch brisant, ernsthaft und doch humorvoll begleitet WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS Menschen, die sich mit Leidenschaft der Beobachtung von Vögeln widmen. Der weltberühmte Autor Jonathan Franzen, die Bäckereiverkäuferin oder das junge Ornithologenteam: sie alle eint die Liebe zu einer stark bedrohten Spezies. Durch ihre Augen und Ohren tauchen wir ein in die Welt der Vögel – eine Welt, die zu einer eindrucksvollen Metapher für den Zustand unseres Planeten wird.“
Der Film wird am 6. Juni auf dem Kinofest Lünen laufen.
Wann? Samstag, 6. Juni, 14:30 Uhr
Wo? Cineworld Lünen (Im Hagen 3, 44532 Lünen)
Weitere Informationen zum Film und der Trailer finden sich hier.
19.05.2026
Beobachtungstipp – von „Overshootern“ und anderen spannenden Arten
Im Mai und Juni tauchen oft Vogelarten auf, deren Verbreitungsgebiete normalerweise weiter südlich oder östlich liegen. Wir geben einige Tipps und versuchen Euch und Ihnen den Mund wässrig zu machen.
Es ist kaum zu glauben, aber das ornithologische Frühjahr neigt sich schon fast dem Ende zu. Die ersten Meisen sind vielleicht schon mit der Brut durch, bei den Eulen gibt es Ästlinge, und die Gesangsaktivität kann mittags schon deutlich abgeflaut sein. Dennoch ist die Brutzeit natürlich noch nicht vorbei. Viele Langstreckenzieher sind noch nicht lange wieder in ihren Brutgebieten und bei Mauersegler, Neuntöter, Sumpfrohrsänger & Co geht es natürlich jetzt erst richtig los. Außerdem lassen sich jetzt auch die vielen Jungvögel beobachten.
Die zweite Maihälfte und der Beginn des Juni sind aber auch aus einem anderen Grund spannend. Nun ist vielleicht die beste Zeit des Jahres, um Vögel aus südlichen Gefilden zu beobachten. Einige Arten wie der Orpheusspötter waren vor einigen Jahren noch Ausnahmeerscheinungen. Mittlerweile haben sie weite Teile des Südwestens unseres Landes besiedelt und können zunehmend auch weiter nordöstlich beobachtet werden. Es lohnt sich, sich Gesang und Rufe einzuprägen. Orpheusspötter bevorzugen meist warme, trockene Bereiche wie Bahndämme, Halden, Heiden und Ränder von Kiesgruben. In solchen Lebensräumen kann man auch nach den farbenprächtigen Bienenfressern und vielleicht sogar Wiedehopfen Ausschau halten. Diese sind jedoch störungsanfällig und Heerscharen von Fotograf:innen und Vogelbeobachtenden können diese leider schnell wieder vertreiben.
Wer lieber an Gewässern unterwegs ist, kann nach seltenen Reihern Ausschau halten. Lange Zeit wurden viele Fischfresser erbittert verfolgt und bis ins 20. Jahrhundert wurden einige Arten auch wegen ihrer Schmuckfedern intensiv bejagt. Zum Glück hat sich die Hutmode gewandelt und Reiher sind heute besser geschützt als früher. Hinzu kommen der Klimawandel mit milden Wintern und vielleicht auch die Entstehung neuer Lebensräume, so dass verschiedene Reiherarten eine deutliche Ausbreitung in Europa zeigen. Einige der südlichen Reiherarten brüten beispielsweise auf den britischen Inseln, und in den Niederlanden werden diese ebenfalls längst regelmäßig festgestellt. Auch in NRW sind z.B. Purpurreiher und Seidenreiher nicht mehr meldepflichtig und werden vergleichsweise regelmäßig in NRW gesehen. Auch Kuh- und Rallenreiher erfreuten immer wieder Vogelbeobachter*innen. Andere ökologisch ähnliche Arten wie Löffler, Sichler und Stelzenläufer breiten sich auch aus. Bei Letzteren sind auch zumindest Brutversuche zu beobachten. Auch Seidensänger sind bereits in fast allen Landesteilen beobachtet worden. Es lohnt sich also, an den Gewässern im Lande genauer hinzuschauen.
Daneben gibt es viele weitere Arten aus dem Süden, die zu dieser Zeit verstärkt beobachtet werden können. Einige Zugvögel ziehen im Frühjahr weiter als ihre Artgenossen. Im Südwesten verbreitete Arten können z.B. weiter nach Nordosten fliegen, südöstliche Arten tauchen plötzlich weiter nordwestlich auf (im Englischen spricht man von „overshooting“). Darunter sind zahlreiche Ausnahmeerscheinungen, die oft nur ganz kurz hier verweilen, manchmal aber auch Reviere bei uns etablieren. Für Aufsehen sorgten in der Vergangenheit immer mal wieder mediterrane Grasmücken oder auch Arten wie der Rotkopfwürger. In diesem Jahr wurden z.B. auch Iberienzilpzalpe gemeldet, die im Feld meist nur anhand ihrer Lautäußerungen zu bestimmen sind. Ganz aktuell wurde in den letzten Tagen beispielsweise eine Rotflügel-Brachschwalbe von der Bislicher Insel auf ornitho.de gemeldet. Auch Arten, die sonst weiter östlich verbreitet sind, werden im Mai/Juni immer mal wieder in NRW beobachtet. Es lohnt sich also jetzt auch, nach Arten wie Zwergschnäpper, Sprosser, Schlagschwirl, Karmingimpel & Co die Ohren offen zu halten. Wer für ADEBAR oder das Vogelmonitoring unterwegs ist, wird vielleicht zusätzlich noch mit der Beobachtung einer kleinen Seltenheit belohnt. Meldepflichtige Arten sollten natürlich bei der AviKom dokumentiert werden.
Wir wünschen viel Spaß beim Beobachten und spannende Entdeckungen!
18.05.2025
Spechtnachwuchs macht sich lautstark bemerkbar
Wer in der zweiten Maihälfte mit offenem Ohr im Wald spazieren geht, kann es eigentlich nicht überhören: die Spechtjungvögel betteln lautstark.
Dass Spechte Höhlen zimmern und darin brüten, weiß (hoffentlich) jedes Kind. Der Aufwand, Höhlen zu bauen, ist für die Vögel beträchtlich, aber das Brüten in Höhlen bringt einige Vorteile mit sich. In Höhlen sind die Jungen weitestgehend vor Witterungseinflüssen geschützt – eine gute Baumhöhle ist warm und trocken und bietet Schutz vor möglichen Fressfeinden. Es ist entsprechend wenig überraschend, dass Höhlenbrüter eine längere Nestlingszeit haben als vergleichbare Arten, die in offenen Nestern brüten. Obwohl sie bereits früh mit der Brut beginnen, werden junge Buntspechte erst Ende Mai, Anfang Juni flügge – gebietsweise kann es auch noch etwas später sein. Die gesamte Brutzeit aus Brut- und Nestlingsdauer bzw. anschließender Führungszeit dauert bei den kleineren Arten vielfach 40 bis 50 Tage, bei Grün- und Grauspecht knapp 70 und beim Schwarzspecht meist sogar über 70 Tage.
Bei den meisten heimischen Spechtarten umfasst ein Gelege etwa vier bis sieben oder acht glänzend weiße Eier – eine Tarnung ist in der Baumhöhle nicht notwendig. Beim Schwarzspecht sind es typischerweise drei bis fünf Eier, beim verwandtschaftlich ebenfalls zu den Spechten gehörenden Wendehals können es dagegen bis zu 14 Eier sein. Grünspechte und Schwarzspechte verwenden ihre Höhlen übrigens mehrfach, während die anderen Arten fast immer alljährlich neue Höhlen zimmern.
Im Mai sind die geschlüpften jungen Buntspechte nicht zu überhören. Ihre Bettelrufe sind laute anhaltende Rufreihen (gsi-gsi-gsi…), die während des ganzen Tages geäußert werden. Entfernt und für Vogelstimmen-Apps erinnern sie vielleicht ein bisschen an die Rufe des Kleinspechtes. Die Bettellaute hallen erstaunlich weit. Sie sind für die Eltern das Signal, unablässig Futter herbeizubringen – meist sind es Insekten und andere Wirbellose bzw. deren Larven, die Buntspechte mit ihrer geschickten Zunge unter der Borke von Bäumen hervorsuchen. Ein besonders reiches Nahrungshabitat ist stehendes Totholz, das zudem sehr gut geeignet ist, Höhlen anzulegen. Als Generalisten sind Buntspechte aber nicht nur in Wäldern, sondern auch in halboffenen Landschaften und selbst in Parks und Gärten auch im Siedlungsbereich anzutreffen.
Junge Buntspechte tragen eine auffallend rote Kopfplatte, was sie deutlich von den Altvögeln unterscheidet. Sie ähneln damit durchaus Mittelspechten. Es gibt jedoch einige Merkmale zur Unterscheidung. Hier gehen wir genauer darauf ein.
Wie gewohnt bitten wir, bettelnde Spechte in ornitho.de einzutragen. Sichere Brutnachweise mit hohen Brutzeitcodes (bettelnde Jungvögel im Nest bedeutet „C16“, der höchste verfügbare Brutzeitcode) sind bei vielen Vogelarten, die über revieranzeigendes Verhalten nachgewiesen werden, nicht häufig. Durch Ihre Meldungen auf ornitho.de tragen Sie zum besseren Verständnis der Verbreitung und Ökologie der Spechte bei. Störungen am Nest sind aber selbstverständlich zu unterlassen. Wer mit der Bestimmung der Spechte und ihren Lautäußerungen bereits bestens vertraut ist, kann helfen, die Bestandsentwicklung dieser Artengruppe zu überwachen. Beteiligen Sie sich beim Spechtmonitoring im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel! Dazu wird im zeitigen Frühjahr eine Route zweimal jährlich begangen und eine Klangattrappe eingesetzt. Gerne richten wir hier auch neue Routen in Ihrer Nähe ein.
Quelle: Zahner & Wimmer 2019
16.05.2026
Sumpfrohrsänger beobachten und erfassen
Sumpfrohrsänger sind in NRW weit verbreitet. Allerdings ist ihre Verbreitung keineswegs gleichmäßig in der Landschaft verteilt. Oft findet man sie entlang von Gräben und Bächen. Ideale Voraussetzungen, um den unscheinbaren Vogel mit dem auffälligen Gesang entlang von Transekten zu erfassen und die Bestandsentwicklung dieses Vogels zu überwachen. Anfang bis Mitte Mai kehren sie aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück.
Rohrsänger sind eine äußerlich homogen erscheinende Gruppe – auf den ersten Blick sehen viele von ihnen fast gleich aus. Tatsächlich zeigen sie jedoch eine erstaunliche Vielfalt an Anpassungen und evolutionären Strategien. Die Brutbiologie unterscheidet sich enorm, Gesänge sind charakteristisch und auch die Lebensräume sind vielfältig. Auch wenn Arten wie der Teichrohrsänger und der bei uns mittlerweile extrem seltene Drosselrohrsänger zur Brut auf Schilf- und Röhrichtgebiete angewiesen sind, gilt das nicht ausnahmslos. Teichrohrsänger singen auf dem Durchzug, der bei uns bis Ende Mai/Anfang Juni dauern kann, oft aus Hecken und Gebüschen. Sumpfrohrsänger leben dagegen bei uns vor allem in stickstoffliebenden Hochstaudenfluren wie Brennnessel- und Staudenknöterichbeständen. Bis vor einigen Jahrzehnten waren Sumpfrohrsänger als Brutvögel selbst in Getreidefeldern weit verbreitet und der Name „Getreiderohrsänger“ war durchaus üblich. Heute steht das Korn nicht mehr so hoch – Wachstumshemmer und spezielle Sorten machen es möglich und steigern den Ertrag. Vereinzelt findet man Sumpfrohrsänger aber auch heute noch in Getreide, insbesondere im Biolandbau, wo das Korn höher wächst und manchmal beispielsweise auch ein höherwüchsiges Gemisch aus Erbse und Triticale angebaut wird.
Sumpfrohrsänger sind berühmt für ihren Gesang. Kaum eine andere Art baut so viele Imitationen anderer Vogelstimmen in ihren Gesang ein wie Sumpfrohrsänger. Wer genau hinhört, wird neben europäischen Vogelarten auch solche heraushören, deren Lautäußerungen Sumpfrohrsänger im afrikanischen Winterquartier erlernt haben. Der Gesang des Sumpfrohrsängers erinnert ansonsten entfernt an den der seltenen Blaukehlchen oder Orpheusspötter. Beim ebenfalls etwas ähnlich klingenden Gelbspötter sind die quietschenden Motive charakteristisch.
Wer sich an der Erfassung des Sumpfrohrsängers beteiligen möchte, ist eingeladen, sich am Monitoring seltener Brutvögel (MsB) zu beteiligen. Das Monitoring der „Röhrichtbrüter“ bietet sich eigentlich in NRW nur in ganz wenigen Gebieten an, da großräumige Röhrichte nur noch in wenigen Schutzgebieten vorkommen. Bei diesem Monitoring werden Gebiete entlang von Transekten erfasst. Aber gerade entlang von Gräben, Bächen und Flüssen in der Normallandschaft bietet es sich an, sich an diesem Monitoringmodul zu beteiligen. Das Modul umfasst insgesamt nur drei frühmorgendliche Begehungen (je eine Begehung innerhalb der ersten beiden Dekaden von April, Mai und Juni). Dabei werden natürlich nicht nur Sumpfrohrsänger erfasst, sondern eine ganze Reihe anderer Arten wie Rohrammer und Teichrohrsänger oder, wo die Art noch vorkommt, der Kuckuck. Über die erweiterte Artenliste lassen sich auch Wasservögel wie Stock- und Schnatterente, Teichhuhn und andere erfassen. Weitere Informationen zum MsB Röhrichtbrüter finden Sie hier. Wo Sumpfrohrsänger im Umfeld von Gewässern vorkommen, bietet sich auch das MsB Binnengewässerarten an, bei dem das Gesamtgewässer samt Uferbereich das Erfassungsgebiet bildet. Gerne richten wir mit Ihnen gemeinsam neue Transekte oder Erfassungsgebiete auch in Ihrer Nähe für Sie ein. Die Daten aus dem MsB gehen übrigens auch in ADEBAR 2 ein, so dass sich das Vogelmonitoring und das Atlasprojekt ideal ergänzen. In diesem Jahr hat die Saison schon begonnen, wir würden uns aber freuen, Sie ab 2027 beim MsB der brütenden Wasservögel begrüßen zu dürfen.
