Aktuelle Meldungen

29.09.2026

Rückblick auf MsB-Saison: Binnengewässerarten und Röhrichtbrüter

Teichhuhn
Eine der Zielarten der Gewässer-Module ist das Teichhuhn (© Hans Glader)

Feuchtgebiete sind Hotspots der Biodiversität und Binnengewässer haben überragende Bedeutung für die Artenvielfalt. Sie sind Trinkwasserspeicher, regulieren das Klima und haben Erholungsfunktion. Bestandsveränderungen von Wasservögeln sind damit Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt, aber auch um ihrer selbst Willen kommt dem Monitoring dieser Vogelgruppe eine herausragende Bedeutung zu. Für Brutvögel greift hier seit Kurzem das Binnengewässer- bzw. Röhrichtbrütermodul im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel, von dem nun erste Ergebnisse der Saison 2026 vorliegen.

Das Monitoring der brütenden Wasservögel umfasst also eigentlich zwei unterschiedliche Module: das Röhrichtbrüter-Modul entlang von Transekten und das Binnengewässer-Modul, welches auf Probeflächen stattfindet. Über erweiterte Artenlisten können mit dem einen aber auch die Arten des anderen Moduls miterfasst werden. Da ausgedehnte Schilfgebiete in NRW selten sind, findet bei uns vor allem das Binnengewässermodul Anwendung. Einen Überblick über beide Module, der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen beiden Modulen verdeutlicht, erschien in den letzten NWO-Mitteilungen und kann auch hier heruntergeladen werden.

Bundesweit hat die Zahl der Probeflächen seit 2025 einen enormen Zuwachs (+67 %) erfahren. Es sind nun 1.111 Erfassungseinheiten (881 Binnengewässer- + 230 Röhrichtbrütergebiete) vorhanden, wobei nach einer vorläufigen Auswertung bisher für das Jahr 2026 aus 362 Erfassungseinheiten Daten übermittelt wurden. Auch in NRW konnte die Zahl der Gebiete in der Kulisse gesteigert werden. Von nun 119 Gebieten sind allerdings 70 noch vakant. Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass es noch zahlreiche Möglichkeiten gibt, sich zu beteiligen. Sollten Sie in der Mitmachbörse kein freies Gebiet in Ihrer Nähe finden, richten wir auch gerne problemlos ein neues Zählgebiet an Ihrem Lieblingsgewässer ein. Die Module sind nicht aufwendig und umfassen lediglich drei Begehungen in vordefinierten Zeiträumen, wer Dommeln und seltenere Rallen in seinem Gebiet vermutet, kann zwei Nachtbegehungen ergänzen. Unser Schwerpunkt liegt aber meist auf leicht zu erfassenden Gewässern in der Normallandschaft und umfasst auch städtische Gebiete wie Parkteiche, Abgrabungsgewässer oder gerne auch Stauseen, die bisher noch unterrepräsentiert sind. Besonders attraktiv sind auch Erfassungen an Bächen und Flüssen im Mittelgebirge, wo bereits zwei Begehungen pro Jahr ausreichen, um Daten zu Eisvogel, Wasseramsel und Gebirgsstelze zu erheben. Hier haben wir noch größeren Nachholbedarf. Spannende Vogelarten und ein überschaubarer Aufwand sowie die digitale Datenerhebung machen das Modul daher auch für Einsteiger:innen ins Monitoring sehr attraktiv! Alle Informationen finden Sie hier. Die Daten gehen selbstverständlich auch in die ADEBAR-Erfassungen ein, so dass Sie sowohl dem Trendmonitoring als auch den Zielen des Atlas durch Ihre Teilnahme helfen.

Spannend ist ein erster Blick in die vorläufigen Daten aus NRW. Diese sind noch nicht geprüft, aber interessant ist sicherlich ein Blick in die am häufigsten festgestellten Arten. Auf Platz 1 findet sich hier die Kanadagans (180 potentielle Reviere), gefolgt von Blässhuhn (123 potentielle Reviere) und Graugans (117 potentielle Reviere). Die Stockente kommt, vielleicht für einige überraschend, dagegen nur auf Platz 4 (maximal 101 Individuen). Auch einige seltenere Arten wurden festgestellt, darunter Röhrichtspezialisten wie Rohrschwirl sowie Schilf- und Drosselrohrsänger. Nicht minder wichtig und gerade für großräumige Trends entscheidend erscheinen aber auch 56 potentielle Reviere des Teichhuhns oder 12 beim Zwergtaucher. Diese Einzelergebnisse sind methodisch bedingt natürlich nicht unmittelbar untereinander vergleichbar und die Kulisse muss zudem weiter ausgebaut werden, um die Repräsentativität zu steigern, trägt aber hoffentlich dazu bei, Ihr Interesse am Brutmonitoring der Wasservögel zu steigern.

Einen genaueren Überblick über die einzelnen Arten in allen Bundesländern gibt der diesjährige Bericht des Dachverbands Deutscher Avifaunisten, der hier zum Download bereit steht. Wir bedanken uns herzlich bei allen Kartierenden für Ihr großes Engagement und freuen uns jederzeit über neue Kartierende!

PS: Wer lieber oder am besten sogar zusätzlich Rastvögel erfassen möchte, ist herzlich eingeladen, sich an der Wasservogelzählung zu beteiligen. Synergien mit dem MsB Binnengewässerarten sind möglich und eine Kombination aus beiden Programmen machbar!

 

 

28.09.2026

Ankündigung: Tagung der Arbeitsgruppe Greifvögel

Rotmilan
Rotmilan (© Hans Glader)

Unsere Arbeitsgruppe Greifvögel veranstaltet einmal im Jahr eine Tagung, die sich speziell den Greifvögeln und Falken widmet. Die nächste Veranstaltung findet an Sonntag, den 08.11.2026 im Naturfreundehaus Ebberg in Schwerte statt.

Wieder konnte ein spannendes Programm zusammengestellt werden, das sich verschiedensten Arten und übergeordneten Themen widmet. Wie gewohnt startet das Programm mit einer Übersicht der Kartierergebnisse der vergangenen Saison. Jan van Diermen widmet sich danach dem ausgeprägten Sexualdimorphismus beim Sperber. Malte Busch vom DDA stellt das bundesweite Greifvogelmonitoring-Modul des Monitorings seltener Brutvögel vor und präsentiert die spannenden Ausstellungs- und Darstellungsmöglichkeiten. Ralf Joest zeigt auf, wie Kartierende von Greifvögeln zu ADEBAR 2 beitragen können. Michael Jöbges gibt dann einen Überblick über zwei spezialisierte Greifvogelarten in Nordrhein-Westfalen: See- und Fischadler. Matthias Olthoff beantwortet aufgrund der Ergebnisse einer mehrjährigen Kartierung im Kreis Coesfeld die Frage, wie lange die Brutbestandserfassung des Rotmilans auf großer Fläche dauert. Eventuell schließt sich noch ein Beitrag von Jens Brune zum Rotmilan im Rhein-Sieg-Kreis an.

 

Die Reihenfolge der Vorträge kann sich ggf. noch ändern. Das genauere Programm inklusive Anfahrtsbeschreibung findet sich hier. Sollten Sie Interesse an der Teilnahme an der Veranstaltung haben, wenden Sie sich bitte im Vorfeld an Jens Brune.

 

 

24.09.2026

Starke langfristige Bestandsabnahme der Goldammer im Bergischen Land

Artikel-Cover
Artikel-Cover: Goldammer (© Hans Glader)

Neuer Artikel im Charadrius: Starke langfristige Bestandsabnahme der Goldammer im Bergischen Land. Michael Schmitz und Karl-Heinz Salewski fassen verschiedene Datenquellen zusammen und berichten über eine besorgniserregende Entwicklung. Sie bringen ihre Ergebnisse in der folgenden Zusammenfassung auf den Punkt.

„Die Goldammer war lange Zeit ein Charaktervogel des Bergischen Landes, zeigt dort aber eine negative Bestandsentwicklung. Um zu ermitteln, wie stark der Rückgang ist und welche Teile des Bergischen Landes betroffen sind, wurden Wiederholungskartierungen bereits zuvor untersuchter Gebiete durchgeführt und andere langfristige Datenreihen ausgewertet. Die Untersuchungsflächen decken wesentliche Teile des Bergischen Landes ab. Die Wiederholungskartierungen auf neun Flächen im Niederbergischen erbrachten durchweg negative Ergebnisse. Auf vier Flächen konnten im Zeitraum 2020-24 keine Goldammern mehr festgestellt werden, auf fünf Flächen waren Rückgänge von mehr als 50 % festzustellen, davon verblieben viermal bei Bestandsabnahmen von 75-90 % nur noch einzelne Reviere. Ähnlich verlief die Entwicklung auf einer Punkt-Stopp-Route. Der Trend von über das gesamte Bergische Land verteilten Flächen der Ökologischen Flächenstichprobe ist insgesamt abnehmend, wobei die Bestandsentwicklung nicht überall negativ war. Ein Vergleich der Kartierungs-Daten für die Brutvogelatlanten ADEBAR (2005-06) und ADEBAR 2 (2025) auf dem Quadranten 2 der TK 4608 zeigt eine starke Abnahme. Der Bestandsrückgang im Bergischen Land ist in mehreren Phasen erfolgt, vom sehr häufigen Brutvogel in den 1960er Jahren zum häufigen Brutvogel in den 1990er Jahren mit weiteren Abnahmen in der Folgezeit. In den letzten Jahren ist es zu einer Ausdünnung der Bestände mit lokalem Verschwinden der Art gekommen. Als Rückgangsursachen sind Lebensraumverlust und die Intensivierung der Landwirtschaft zu nennen. Ein entscheidender Faktor dürfte die Nahrungsverfügbarkeit während und außerhalb der Brutzeit sein.“

 

Der Charadrius mit diesem und weiteren Beiträgen ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Auch Neumitglieder erhalten das Heft kostenfrei (solange der Vorrat reicht). NWO-Mitglied werden lohnt sich!

 

 

17.09.2026

Neuer Charadrius und neue NWO-Mitteilungen erschienen

Charadrius 62-2
Goldammer auf dem Cover des aktuellen Charadrius (© Mathias Schäf)

Unser neuer Charadrius, Heft 2 des 62. Jahrgangs, ist soeben erschienen. Darin enthalten sind wie gewohnt auch unsere NWO-Mitteilungen. Wenn noch nicht geschehen, sollte es in den nächsten Tagen bei allen Mitgliedern angekommen sein.

Der neue Charadrius ist fast 90 Seiten stark und enthält vier Originalartikel. Michael Schmitz & Karl-Heinz Salewski berichten über eine starke langfristige Bestandsabnahme der Goldammer im Bergischen Land. Das Cover des Heftes ziert entsprechend eine Goldammer von Mathias Schäf. Im zweiten Artikel dokumentieren Karin Bohrer und Lothar Meckling die Raumnutzung von Kranich, Blässgans, Tundrasaatgans, Graugans und Kiebitz im Oppenweher Bruch und Oppendorfer Fledder im Kreis Minden-Lübbecke. Andre Matull berichtet im Folgenden über den ersten Brutnachweis des Seidensängers im Süderbergland bei Iserlohn. Im letzten Artikel stellen Roger Briesewitz et al. ihre bioakustische Langzeitstudie am Buschbergsee in Leverkusen vor, der sich dabei als Hotspot der Vogelvielfalt entpuppte. Drei Literaturbesprechungen runden das Heft ab.

Der Charadrius enthält außerdem die aktuellen NWO-Mitteilungen Nr. 63 mit zahlreichen Beiträgen aus dem Verein und darüber hinaus. Es enthält neben den verschiedenen Rubriken den Bericht der Mitgliederversammlung auch Kurzfassungen der Vorträge unserer Jahrestagung für diejenigen, die nicht selbst teilnehmen konnten sowie aktuelle Nachrichten aus den Monitoringprogrammen. In Nachrufen nehmen wir Abschied von Johannes Melter und Karl-Heinz Kühnapfel.

Der Charadrius ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Neumitglieder bekommen das aktuelle Heft im Rahmen eines Begrüßungspaketes zugeschickt. Es lohnt sich also, jetzt Mitglied zu werden!

 

 

 

 

16.09.2026

Wahl zum Vogel des Jahres 2027 – Kandidatencheck aus NRW-Sicht

Es ist wieder soweit - die Wahl zum Vogel des Jahres steht bevor. Welche Vogelart soll 2027 stellvertretende Botschafterin eines wichtigen Naturschutzthemas werden? NABU und LBV lassen seit einigen Jahren die Bevölkerung abstimmen: Jede:r kann sich noch bis zum 15. Oktober 2026 an dieser PR-Aktion für den Vogelschutz beteiligen (www.vogeldesjahres.de). Wir stellen Ihnen die fünf Kandidaten aus NRW-Sicht vor – als neutraler „Wahlomat“ selbstverständlich in systematischer Reihenfolge.

 

Kranich Grus grus

Kranich
Kranich (© Hans Glader)

Kraniche brauchen wir wahrcheinlich kaum vorstellen. Sie gehören zu den größten Vögeln, die bei uns beobachtet werden können. Kraniche ziehen jeden Herbst und Winter in großen Trupps über unser Bundesland. Dabei fliegen sie typischerweise in keilförmigen Formationen. Ihre Rastplätze liegen vor allem in Norddeutschland, aber zumindest in kleineren Gruppen rasten Kraniche auch bei uns. Vor allem nach Regen- und Nebelnächten rasten sie auch auf Äckern, wo sie zur Landung gezwungen wrren. Auf dem Zug sind sie auch über Städten und dem Siedlungsbereich, darunter dem Ruhrgebiet und der Rheinschiene zu beobachten. Oft kreisen sie vor Hindernissen in der Thermik, nutzen aber auch aktiven Schlagflug. Was vielleicht noch nicht alle wissen ist, dass Kraniche mittlerweile auch (wieder) in NRW als Brutvögel vorkommen. Ihre Brutverbreitung beschränkt sich aber im Wesentlichen auf verbliebene Feuchtgebiete und Moore im nördlichen Teil von NRW. Bisher sind es auch nur vergleichsweise wenige Paare. Trockenheit durch Entwässerung und Klimawandel bedroht Kraniche weiterhin, da sie dann weniger Nahrung finden und die Vögel anfälliger für Prädation werden, da flache Wasserflächen Schutz vor Landraubtieren bietet. Mit der Wahl zum Vogel des Jahres wird aktiv Werbung für die Wiedervernässung von Mooren und die Wiederherstellung von Feuchtgebieten gemacht.

 

 

Kolkrabe Corvus corax

Kolkrabe
Kolkrabe (© Hans Glader)

Kolkraben sind die größten heimischen Singvögel. Ihr lauten krok-krok-Rufe, das natürlich rabenschwarze, aber teilweise durchaus metallisch glänzende Gefieder und der große Schnabel gepaart mit einem keilförmigen Schwanz machen sie bei guten Bedingungen unverwechselbar. Sie sind eng mit den Krähen wie Raben- und Saatkrähe verwandt, mit denen sie biologisch in die gleiche Gattung gestellt werden. Kolkraben haben ausgeprägte kognitive Fähigkeiten. Ihre Jungvögel bleiben für Singvögel relativ lange im Nest und auch danach zeigen Kolkraben ausgreprägtes Lern- und Spielverhalten. Leider wurden sie jahrzehnte- bis jahrhundertelang verfolgt. Ökologisch ist dies selbstverständlich nicht begründbar, sondern hat eher kulturhistorische Gründe. Hier ist immer noch Aufklärungsarbeit notwendig und die Wahl zum Vogel des Jahres kann dazu beitragen. Kolkraben waren entsprechend in NRW quasi verschwunden, haben sich aber mittlerweile erfreulicherweise wieder ausgebreitet. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt vor allem in den weniger dicht besiedelten Regionen des Landes wie den Mittelgebirgen. Gut versteckte Brutplätze finden sich meist in größeren Wäldern, bei der Nahrungssuche oder der Balz sind sie aber auch ganz regelmäßig im Offenland anzureffen.

 

 

Mehlschwalbe Delichon urbicum

Mehlschwalbe
Mehlschwalbe (© Hans Glader)

Als eine von drei regelmäßig in Nordrhein-Westfalen brütenden Schwalbenarten sind sie den meisten Menschen gut bekannt. Mehlschwalben sind Gebäudebrüter. Ihre Nester liegen fast immer außen an Gebäuden und der weiße Bürzel unterscheidet sie von Ufer- und Rauchschwalben. Sie werden in NRW als gefährdet auf der Roten Liste der Brutvögel geführt. Sie ernähren sich von sogenanntem Luftplankton, also kleinen Insekten und anderen Wirbellosen die sie im Flug fangen. Langfristig haben ihre Bestände deutlich abgenommen, dennoch leben Mehlschwalben immer noch in vielen Dörfern und Kleinstädten. Mancherorts brüten sie auch im Zentrum von Großstädten. In NRW brüten sie in allen Landesteilen vom Tiefland bis in die Hochlagen der Mttelgebirge. Als Langstreckenzieher verbringen sie einen Großteil des Jahes auf dem Zug und im afrikanischen Winterquartier. Obwohl dies verboten ist, werden ihre Nester leider immer noch manchmal zerstört. Um den Schutz der Mehlschwalben kümmert sich daher beispielsweise unsere AG Gebäudebrüter. Die Mehlschwalbe steht unter allen diesjährigen Kandidaten sicherlich am stärksten für Arten- und Naturschutz im Siedlungsbereich.

 

 

Wasseramsel Cinclus cinclus

Wasseramsel
Wasseramsel (© Hans Glader)

Wasseramseln sind die einzigen Singvögel die ausgeprägt und regelmäßig Schwimmen und Tauchen können. Sie leben entsprechend an schnell fließenden klaren Bächen, wo sie sich von Wassertieren, vor allem kleinen Insektenlarven und Krebstieren, ernähren. Dieser Lebensraum ist in NRW fast vollständig auf die Mittelgebirge begrenzt, so dass von wenigen Ausnahmen abgesehen, Wasseramseln vor allem in Eifel, Sauerland, Siegerland und Weserbergland leben. Unsere Regionalgruppe im Bergischen Land, die ABO, hat die Wasseramsel sogar als Logovogel. In NRW scheinen Wasseramseln in den letzten Jahren Randbereiche der Verbreitung teilweise geräumt zu haben, aber über die genauen Muster wird hoffentlich ADEBAR 2 Aufschluss geben. Die Ursachen sind nicht genau bekannt. Wer Wasseramseln erfassen möchte, kann sich übrigens bereits mit zwei Begehungen im Frühjahr am Monitoring der Binnengewässerarten beteiligen.

 

 

Trauerschnäpper Ficedula hypoleuca

Trauerschnäpper
Trauerschnäpper (© Hans Glader)

Trauerschnäpper sind die einzigen Waldvögel, die dieses Jahr zur Wahl stehen. Sie brüten in alten, höhlenreichen Wäldern wie u.v.a. auch eine Studie aus NRW unterstreicht. Als Insektenjäger bevorzugen sie oft etwas offenere Bereiche und brüten teilweise sogar in Gärten mit altem Baumbestand. Nicht selten werden Nistkästen als Brutplatz angenommen. Sie sind in NRW zwar weit verbreitet und kommen in allen Landesteilen vor, ihre Vorkommen sind aber oft lokal auf einzelne Gebiete begrenzt. Als Langstreckenzieher verbringen Trauerschnäpper den Winter in Afrika. Auf dem Zug können sie regelmäßig rastend in verschiedenen Lebensräumen angetroffen werden. Die namensgebenden tiefschwarzen Männchen sind in NRW übrigens meist ziemlich selten und gräuliche Männchen überwiegen. Möglicherweise wirkt sich der Klimawandel negativ auf Trauerschnäpper aus, so dass mit diese Art als Vogel des Jahres die Gefahren der Klimakrise für die Artenvielfalt in den Fokus gerückt werden.

 

 

 

 

15.09.2026

Update zu Watching people watching birds

Film
Watching people watching birds (© Fimproduktion loekenfranke)

Wir berichteten bereits über einen neuen Kinofilm mit großem Bezug zur NWO. Unter Beteiligung zahlreicher NWO-Ornis und einem Besuch der Filmer bei einem der vergangenen NWO-Tagungen entstand der Dokumentarfilm „Watching people watching birds“.

Der Film von Ulrike Franke und Michael Löken läuft in Nordrhein-Westfalen nun in verschiedenen Kinos an. Bei der Premiere in Bochum sind auch die Filmemachenden anwesend.

Sie bewerben Ihren Film so: „Politisch brisant, ernsthaft und doch humorvoll begleitet WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS Menschen, die sich mit Leidenschaft der Beobachtung von Vögeln widmen. Der weltberühmte Autor Jonathan Franzen, die Bäckereiverkäuferin oder das junge Ornithologenteam: sie alle eint die Liebe zu einer stark bedrohten Spezies. Durch ihre Augen und Ohren tauchen wir ein in die Welt der Vögel – eine Welt, die zu einer eindrucksvollen Metapher für den Zustand unseres Planeten wird.“

 

Weitere Informationen zum Film und der Trailer finden sich hier.

 

 

01.09.2026

Herbstbalz der Eulen

Raufußkauz
In NRW mittlerweile extrem selten, so dass jedes Vorkommen von großem Interesse ist: Raufußkauz (© Roland Rauter)

Die meisten Eulen äußern neben dem Frühjahrsgesang zur Brutzeit auch einen Herbstgesang. Zu den Arten, die in den nächsten Wochen singen, gehören auch Raufußkauz und Sperlingskauz, deren großräumige Bestandstrends im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel der Kleineulen erfasst werden.

Das „Kleineulen-Modul“ verlangt zwar keine Erfassungen im Herbst, aber der Herbstgesang unserer zwei Kleineulen ist eine spannende Möglichkeit, bekannte Reviere dieser beiden Eulenarten zu bestätigen oder sogar neue zu lokalisieren, die dann im nächsten Frühjahr bestätigt werden sollten.

Und was das Ganze besonders interessant macht: der Sperlingskauz hat tatsächlich im Herbst einen teilweise anderen Gesang!

Aber zuerst zum Herbstgesang des Raufußkauzes: Von September bis November können Männchen während einer relativ kurzen Zeitperiode mehr oder weniger intensives Territorialverhalten mit Reviergesang zeigen. Ideal sind windstille, klare – und dann meist schon recht kalte – Abende und Nächte. Der Singeifer ist geringer als im Frühjahr, und bei ungenügendem Nahrungsangebot kann der Herbstgesang auch ganz ausfallen. Spätestens mit dieser „Herbstbalz“ löst sich der Familienverband auf und die Jungvögel suchen sich eigene Reviere.

Folgende Reaktionen sind am häufigsten nach dem Abspielen einer Klangattrappe: der Kauz (a) nähert sich lautlos der Klangattrappe, (b) stößt zwei bis drei „zjuck“-Rufe und/oder mehrere (5-100) „kjuwäck“-Rufe aus, oder (c) äußert einige Gesangsstrophen oder sogar ausdauernden Gesang.

Der Herbstgesang des Sperlingskauzes ist stärker ausgeprägt als beim Raufußkauz und beginnt normalerweise im September und kann bis November oder sogar Dezember reichen. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben Autoren, wie zum Beispiel Joseph Graf Plaz, dass zusätzlich zum normalen Gesang eine Rufreihe mit steigender Tonhöhe („Tonleiter“ oder „Stufenpfiff“) den Herbstgesang prägt. Der Tonleiter-Gesang wird von Männchen, Weibchen und Jungen vorgetragen und wird als die aggressivste Form der gesanglichen Revierabgrenzung interpretiert. Obgleich die Tonleiter das ganze Jahr über zu hören ist, ist sie im Herbst, wenn die Jungvögel aus dem Revier gedrängt und die Reviere neu abgegrenzt oder besetzt werden, besonders häufig und vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung zu hören. Während dieser Zeit fliegen die Männchen, manchmal in Begleitung des Weibchens, auch tagsüber umher und versuchen, ihr Revier durch Gesänge zu erweitern.

Wir wünschen viel Erfolg bei der Herbstsuche nach Eulen – und wenn Sie eine finden, bitten Sie die Beobachtungen wie gewohnt via NaturaList-App bzw. ornitho.de zu melden. Bei einem bisher nicht erfassten Standort richten wir gerne ein neues Erfassungsgebiet für Sie im Rahmen des Kleineulen-Moduls ein. Sollten Sie weitere Arten erfassen, kommt selbstverständlich auch das „Eulen-Modul“ in Frage, das die größeren Arten abdeckt. Gerne helfen wir bei allen weiteren Fragen und freuen uns über Ihre Rückmeldung.

Bruno Walther (walther@nw-ornithologen.de)

ps: Ausführliche Quellenangaben und insbesondere Links zu zahlreichen Tonbeispielen finden Sie hier (pdf-Datei).

 

 

 

27.08.2026

Wachtelkönigmonitoring in NRW 2026

Wachtelkönig
(© Bernd Stemmer)

Der Wachtelkönig gehört zu den seltenen und schwer zu beobachtenden Vogelarten in NRW. Sein im Frühsommernächten zu hörender charakteristischer „crex-crex“-Gesang ist oft das einzige Merkmal, um die nachtaktiven und versteckt lebenden Vögel nachzuweisen. Wachtelkönige treffen meist erst spät im Mai oder Juni in NRW ein. Jetzt im September sind sie bereits auf dem Rückzug in ihre afrikanischen Winterquartiere.

In NRW findet aktuell in 33 Gebieten ein regelmäßiges Monitoring der Wachtelkönigbestände im Rahmen des „Monitorings seltener Brutvögel“, kurz MsB, statt. Diese verteilen sich über die Schwerpunktvorkommen am Niederrhein, der Lippe- und Weseraue und der Hellwegbörde, aber auch das Münsterland und die Mittelgebirge sind vertreten. In diesen Gebieten wurden im Jahr 2026 18 Rufer festgestellt, im Vorjahr waren es 26. Dieser Unterschied bewegt sich aber im Rahmen der jährlich starken Schwankungen, die sich aus dem opportunistischen Ansiedlungsverhalten der Art ergeben. So lassen vorläufige Trendberechnungen für NRW aus den vorliegenden Datenreihen für den Zeitraum 2017 bis 2026 bei arttypischen Schwankungen keine eindeutigen Bestandsveränderungen erkennen. Aus diesem Grund sind längere Datenreihen erforderlich, um verlässliche Aussagen über die Entwicklung der Bestände zu treffen.

Wachtelkönig-Trend
Vorläufiger Trend der Anzahl maximaler Rufer in den erfassten Gebieten

Die meisten Vorkommen des Wachtelkönigs befinden sich in ausgewiesenen Vogelschutzgebieten. Die größte Zahl rufender Wachtelkönige wurde im Jahr 2026 mit vier bzw. sieben Rufern im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde festgestellt. Anders als in anderen Regionen brüten die Vögel hier in der offenen Agrarlandschaft, in Getreidefeldern und Brachen. In den Flussniederungen der Lippeaue mit den Ahsewiesen und am Unteren Niederrhein werden überwiegend feuchte Wiesen und Weiden sowie Röhrichte und Hochstaudenfluren besiedelt. Als Bodenbrüter benötigt der Wachtelkönig eine ausreichend hohe Vegetation als Deckung. Gleichzeitig muss der Bewuchs jedoch locker genug sein, damit sich die Altvögel und Küken am Boden fortbewegen können. Die größte Bedrohung für den Wachtelkönig ist der Verlust von naturnahen Lebensräumen durch Entwässerung sowie die intensivierte Landwirtschaft. Da sich die Mahd- und Ernteperioden mit der langen Brutzeit überschneiden, werden Nester, Jungvögel und brütende Weibchen durch Mähmaschinen getötet. Daher gibt es spezielle Schutzprogramme, bei denen Landwirte zur wachtelkönigfreundlichen Anpassung der Mahdtermine und -techniken angehalten werden. Am Wachtelkönigmonitoring im Rahmen des MsB können sich alle Vogelbeobachter:innen beteiligen, die bereit sind, auch einmal eine ganze Frühsommernacht draußen unterwegs zu sein. Dabei kommen oft faszinierende Landschaftseindrücke und Begegnungen mit anderen nachtaktiven Vogelarten wie Eulen, Wachteln, Rallen, Singvögeln und anderen Wildtieren zu Stande.

Wachtelkönig-Karte
Verbreitung gemeldeter Wachtelkönige 2026 in NRW (Quelle: ornitho.de)

Die Daten aus dem Wachtelkönigmonitoring und alle bei ornitho.de bzw. NaturaList gemeldeten Feststellungen fließen in das bis 2029 laufende bundesweite Atlasprojekt ADEBAR 2 ein. Dieses soll zum zweiten Mal einen Gesamtüberblick über die Verbreitung und Bestandssituation der Brutvögel in Deutschland und NRW geben. Durch Vergleiche mit dem ersten Brutvogelatlas aus den Jahren 2005 bis 2009 können Veränderungen der Vogelwelt in Zeiten des globalen Wandels dokumentiert und analysiert werden. Es wird daher eine unerlässliche Grundlage für Vogelkunde und Vogelschutz darstellen. Auch hier können alle Vogelkundler:innen in NRW durch zahlreiche Meldungen von Brutzeitbeobachtungen oder die Bearbeitung von Quadranten mithelfen.

Machen sie mit! Mein Dank geht an alle, die sich am Vogelmonitoring in NRW beteiligen.

Fragen zum Wachtelkönig-Monitoring und zum Atlasprojekt ADEBAR 2 beantwortet Ralf Joest (joest@nw-ornithologen.de)

Ralf Joest