Aktuelle Meldungen

15.09.2026

Update zu Watching people watching birds

Film
Watching people watching birds (© Fimproduktion loekenfranke)

Wir berichteten bereits über einen neuen Kinofilm mit großem Bezug zur NWO. Unter Beteiligung zahlreicher NWO-Ornis und einem Besuch der Filmer bei einem der vergangenen NWO-Tagungen entstand der Dokumentarfilm „Watching people watching birds“.

Der Film von Ulrike Franke und Michael Löken läuft in Nordrhein-Westfalen nun in verschiedenen Kinos an. Bei der Premiere in Bochum sind auch die Filmemachenden anwesend.

Sie bewerben Ihren Film so: „Politisch brisant, ernsthaft und doch humorvoll begleitet WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS Menschen, die sich mit Leidenschaft der Beobachtung von Vögeln widmen. Der weltberühmte Autor Jonathan Franzen, die Bäckereiverkäuferin oder das junge Ornithologenteam: sie alle eint die Liebe zu einer stark bedrohten Spezies. Durch ihre Augen und Ohren tauchen wir ein in die Welt der Vögel – eine Welt, die zu einer eindrucksvollen Metapher für den Zustand unseres Planeten wird.“

 

Weitere Informationen zum Film und der Trailer finden sich hier.

 

 

16.09.2026

Wahl zum Vogel des Jahres 2027 – Kandidatencheck aus NRW-Sicht

Es ist wieder soweit - die Wahl zum Vogel des Jahres steht bevor. Welche Vogelart soll 2027 stellvertretende Botschafterin eines wichtigen Naturschutzthemas werden? NABU und LBV lassen seit einigen Jahren die Bevölkerung abstimmen: Jede:r kann sich noch bis zum 15. Oktober 2026 an dieser PR-Aktion für den Vogelschutz beteiligen (www.vogeldesjahres.de). Wir stellen Ihnen die fünf Kandidaten aus NRW-Sicht vor – als neutraler „Wahlomat“ selbstverständlich in systematischer Reihenfolge.

 

Kranich Grus grus

Kranich
Kranich (© Hans Glader)

Kraniche brauchen wir wahrcheinlich kaum vorstellen. Sie gehören zu den größten Vögeln, die bei uns beobachtet werden können. Kraniche ziehen jeden Herbst und Winter in großen Trupps über unser Bundesland. Dabei fliegen sie typischerweise in keilförmigen Formationen. Ihre Rastplätze liegen vor allem in Norddeutschland, aber zumindest in kleineren Gruppen rasten Kraniche auch bei uns. Vor allem nach Regen- und Nebelnächten rasten sie auch auf Äckern, wo sie zur Landung gezwungen wrren. Auf dem Zug sind sie auch über Städten und dem Siedlungsbereich, darunter dem Ruhrgebiet und der Rheinschiene zu beobachten. Oft kreisen sie vor Hindernissen in der Thermik, nutzen aber auch aktiven Schlagflug. Was vielleicht noch nicht alle wissen ist, dass Kraniche mittlerweile auch (wieder) in NRW als Brutvögel vorkommen. Ihre Brutverbreitung beschränkt sich aber im Wesentlichen auf verbliebene Feuchtgebiete und Moore im nördlichen Teil von NRW. Bisher sind es auch nur vergleichsweise wenige Paare. Trockenheit durch Entwässerung und Klimawandel bedroht Kraniche weiterhin, da sie dann weniger Nahrung finden und die Vögel anfälliger für Prädation werden, da flache Wasserflächen Schutz vor Landraubtieren bietet. Mit der Wahl zum Vogel des Jahres wird aktiv Werbung für die Wiedervernässung von Mooren und die Wiederherstellung von Feuchtgebieten gemacht.

 

 

Kolkrabe Corvus corax

Kolkrabe
Kolkrabe (© Hans Glader)

Kolkraben sind die größten heimischen Singvögel. Ihr lauten krok-krok-Rufe, das natürlich rabenschwarze, aber teilweise durchaus metallisch glänzende Gefieder und der große Schnabel gepaart mit einem keilförmigen Schwanz machen sie bei guten Bedingungen unverwechselbar. Sie sind eng mit den Krähen wie Raben- und Saatkrähe verwandt, mit denen sie biologisch in die gleiche Gattung gestellt werden. Kolkraben haben ausgeprägte kognitive Fähigkeiten. Ihre Jungvögel bleiben für Singvögel relativ lange im Nest und auch danach zeigen Kolkraben ausgreprägtes Lern- und Spielverhalten. Leider wurden sie jahrzehnte- bis jahrhundertelang verfolgt. Ökologisch ist dies selbstverständlich nicht begründbar, sondern hat eher kulturhistorische Gründe. Hier ist immer noch Aufklärungsarbeit notwendig und die Wahl zum Vogel des Jahres kann dazu beitragen. Kolkraben waren entsprechend in NRW quasi verschwunden, haben sich aber mittlerweile erfreulicherweise wieder ausgebreitet. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt vor allem in den weniger dicht besiedelten Regionen des Landes wie den Mittelgebirgen. Gut versteckte Brutplätze finden sich meist in größeren Wäldern, bei der Nahrungssuche oder der Balz sind sie aber auch ganz regelmäßig im Offenland anzureffen.

 

 

Mehlschwalbe Delichon urbicum

Mehlschwalbe
Mehlschwalbe (© Hans Glader)

Als eine von drei regelmäßig in Nordrhein-Westfalen brütenden Schwalbenarten sind sie den meisten Menschen gut bekannt. Mehlschwalben sind Gebäudebrüter. Ihre Nester liegen fast immer außen an Gebäuden und der weiße Bürzel unterscheidet sie von Ufer- und Rauchschwalben. Sie werden in NRW als gefährdet auf der Roten Liste der Brutvögel geführt. Sie ernähren sich von sogenanntem Luftplankton, also kleinen Insekten und anderen Wirbellosen die sie im Flug fangen. Langfristig haben ihre Bestände deutlich abgenommen, dennoch leben Mehlschwalben immer noch in vielen Dörfern und Kleinstädten. Mancherorts brüten sie auch im Zentrum von Großstädten. In NRW brüten sie in allen Landesteilen vom Tiefland bis in die Hochlagen der Mttelgebirge. Als Langstreckenzieher verbringen sie einen Großteil des Jahes auf dem Zug und im afrikanischen Winterquartier. Obwohl dies verboten ist, werden ihre Nester leider immer noch manchmal zerstört. Um den Schutz der Mehlschwalben kümmert sich daher beispielsweise unsere AG Gebäudebrüter. Die Mehlschwalbe steht unter allen diesjährigen Kandidaten sicherlich am stärksten für Arten- und Naturschutz im Siedlungsbereich.

 

 

Wasseramsel Cinclus cinclus

Wasseramsel
Wasseramsel (© Hans Glader)

Wasseramseln sind die einzigen Singvögel die ausgeprägt und regelmäßig Schwimmen und Tauchen können. Sie leben entsprechend an schnell fließenden klaren Bächen, wo sie sich von Wassertieren, vor allem kleinen Insektenlarven und Krebstieren, ernähren. Dieser Lebensraum ist in NRW fast vollständig auf die Mittelgebirge begrenzt, so dass von wenigen Ausnahmen abgesehen, Wasseramseln vor allem in Eifel, Sauerland, Siegerland und Weserbergland leben. Unsere Regionalgruppe im Bergischen Land, die ABO, hat die Wasseramsel sogar als Logovogel. In NRW scheinen Wasseramseln in den letzten Jahren Randbereiche der Verbreitung teilweise geräumt zu haben, aber über die genauen Muster wird hoffentlich ADEBAR 2 Aufschluss geben. Die Ursachen sind nicht genau bekannt. Wer Wasseramseln erfassen möchte, kann sich übrigens bereits mit zwei Begehungen im Frühjahr am Monitoring der Binnengewässerarten beteiligen.

 

 

Trauerschnäpper Ficedula hypoleuca

Trauerschnäpper
Trauerschnäpper (© Hans Glader)

Trauerschnäpper sind die einzigen Waldvögel, die dieses Jahr zur Wahl stehen. Sie brüten in alten, höhlenreichen Wäldern wie u.v.a. auch eine Studie aus NRW unterstreicht. Als Insektenjäger bevorzugen sie oft etwas offenere Bereiche und brüten teilweise sogar in Gärten mit altem Baumbestand. Nicht selten werden Nistkästen als Brutplatz angenommen. Sie sind in NRW zwar weit verbreitet und kommen in allen Landesteilen vor, ihre Vorkommen sind aber oft lokal auf einzelne Gebiete begrenzt. Als Langstreckenzieher verbringen Trauerschnäpper den Winter in Afrika. Auf dem Zug können sie regelmäßig rastend in verschiedenen Lebensräumen angetroffen werden. Die namensgebenden tiefschwarzen Männchen sind in NRW übrigens meist ziemlich selten und gräuliche Männchen überwiegen. Möglicherweise wirkt sich der Klimawandel negativ auf Trauerschnäpper aus, so dass mit diese Art als Vogel des Jahres die Gefahren der Klimakrise für die Artenvielfalt in den Fokus gerückt werden.

 

 

 

 

01.09.2026

Herbstbalz der Eulen

Raufußkauz
In NRW mittlerweile extrem selten, so dass jedes Vorkommen von großem Interesse ist: Raufußkauz (© Roland Rauter)

Die meisten Eulen äußern neben dem Frühjahrsgesang zur Brutzeit auch einen Herbstgesang. Zu den Arten, die in den nächsten Wochen singen, gehören auch Raufußkauz und Sperlingskauz, deren großräumige Bestandstrends im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel der Kleineulen erfasst werden.

Das „Kleineulen-Modul“ verlangt zwar keine Erfassungen im Herbst, aber der Herbstgesang unserer zwei Kleineulen ist eine spannende Möglichkeit, bekannte Reviere dieser beiden Eulenarten zu bestätigen oder sogar neue zu lokalisieren, die dann im nächsten Frühjahr bestätigt werden sollten.

Und was das Ganze besonders interessant macht: der Sperlingskauz hat tatsächlich im Herbst einen teilweise anderen Gesang!

Aber zuerst zum Herbstgesang des Raufußkauzes: Von September bis November können Männchen während einer relativ kurzen Zeitperiode mehr oder weniger intensives Territorialverhalten mit Reviergesang zeigen. Ideal sind windstille, klare – und dann meist schon recht kalte – Abende und Nächte. Der Singeifer ist geringer als im Frühjahr, und bei ungenügendem Nahrungsangebot kann der Herbstgesang auch ganz ausfallen. Spätestens mit dieser „Herbstbalz“ löst sich der Familienverband auf und die Jungvögel suchen sich eigene Reviere.

Folgende Reaktionen sind am häufigsten nach dem Abspielen einer Klangattrappe: der Kauz (a) nähert sich lautlos der Klangattrappe, (b) stößt zwei bis drei „zjuck“-Rufe und/oder mehrere (5-100) „kjuwäck“-Rufe aus, oder (c) äußert einige Gesangsstrophen oder sogar ausdauernden Gesang.

Der Herbstgesang des Sperlingskauzes ist stärker ausgeprägt als beim Raufußkauz und beginnt normalerweise im September und kann bis November oder sogar Dezember reichen. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben Autoren, wie zum Beispiel Joseph Graf Plaz, dass zusätzlich zum normalen Gesang eine Rufreihe mit steigender Tonhöhe („Tonleiter“ oder „Stufenpfiff“) den Herbstgesang prägt. Der Tonleiter-Gesang wird von Männchen, Weibchen und Jungen vorgetragen und wird als die aggressivste Form der gesanglichen Revierabgrenzung interpretiert. Obgleich die Tonleiter das ganze Jahr über zu hören ist, ist sie im Herbst, wenn die Jungvögel aus dem Revier gedrängt und die Reviere neu abgegrenzt oder besetzt werden, besonders häufig und vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung zu hören. Während dieser Zeit fliegen die Männchen, manchmal in Begleitung des Weibchens, auch tagsüber umher und versuchen, ihr Revier durch Gesänge zu erweitern.

Wir wünschen viel Erfolg bei der Herbstsuche nach Eulen – und wenn Sie eine finden, bitten Sie die Beobachtungen wie gewohnt via NaturaList-App bzw. ornitho.de zu melden. Bei einem bisher nicht erfassten Standort richten wir gerne ein neues Erfassungsgebiet für Sie im Rahmen des Kleineulen-Moduls ein. Sollten Sie weitere Arten erfassen, kommt selbstverständlich auch das „Eulen-Modul“ in Frage, das die größeren Arten abdeckt. Gerne helfen wir bei allen weiteren Fragen und freuen uns über Ihre Rückmeldung.

Bruno Walther (walther@nw-ornithologen.de)

ps: Ausführliche Quellenangaben und insbesondere Links zu zahlreichen Tonbeispielen finden Sie hier (pdf-Datei).

 

 

 

27.08.2026

Wachtelkönigmonitoring in NRW 2026

Wachtelkönig
(© Bernd Stemmer)

Der Wachtelkönig gehört zu den seltenen und schwer zu beobachtenden Vogelarten in NRW. Sein im Frühsommernächten zu hörender charakteristischer „crex-crex“-Gesang ist oft das einzige Merkmal, um die nachtaktiven und versteckt lebenden Vögel nachzuweisen. Wachtelkönige treffen meist erst spät im Mai oder Juni in NRW ein. Jetzt im September sind sie bereits auf dem Rückzug in ihre afrikanischen Winterquartiere.

In NRW findet aktuell in 33 Gebieten ein regelmäßiges Monitoring der Wachtelkönigbestände im Rahmen des „Monitorings seltener Brutvögel“, kurz MsB, statt. Diese verteilen sich über die Schwerpunktvorkommen am Niederrhein, der Lippe- und Weseraue und der Hellwegbörde, aber auch das Münsterland und die Mittelgebirge sind vertreten. In diesen Gebieten wurden im Jahr 2026 18 Rufer festgestellt, im Vorjahr waren es 26. Dieser Unterschied bewegt sich aber im Rahmen der jährlich starken Schwankungen, die sich aus dem opportunistischen Ansiedlungsverhalten der Art ergeben. So lassen vorläufige Trendberechnungen für NRW aus den vorliegenden Datenreihen für den Zeitraum 2017 bis 2026 bei arttypischen Schwankungen keine eindeutigen Bestandsveränderungen erkennen. Aus diesem Grund sind längere Datenreihen erforderlich, um verlässliche Aussagen über die Entwicklung der Bestände zu treffen.

Wachtelkönig-Trend
Vorläufiger Trend der Anzahl maximaler Rufer in den erfassten Gebieten

Die meisten Vorkommen des Wachtelkönigs befinden sich in ausgewiesenen Vogelschutzgebieten. Die größte Zahl rufender Wachtelkönige wurde im Jahr 2026 mit vier bzw. sieben Rufern im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde festgestellt. Anders als in anderen Regionen brüten die Vögel hier in der offenen Agrarlandschaft, in Getreidefeldern und Brachen. In den Flussniederungen der Lippeaue mit den Ahsewiesen und am Unteren Niederrhein werden überwiegend feuchte Wiesen und Weiden sowie Röhrichte und Hochstaudenfluren besiedelt. Als Bodenbrüter benötigt der Wachtelkönig eine ausreichend hohe Vegetation als Deckung. Gleichzeitig muss der Bewuchs jedoch locker genug sein, damit sich die Altvögel und Küken am Boden fortbewegen können. Die größte Bedrohung für den Wachtelkönig ist der Verlust von naturnahen Lebensräumen durch Entwässerung sowie die intensivierte Landwirtschaft. Da sich die Mahd- und Ernteperioden mit der langen Brutzeit überschneiden, werden Nester, Jungvögel und brütende Weibchen durch Mähmaschinen getötet. Daher gibt es spezielle Schutzprogramme, bei denen Landwirte zur wachtelkönigfreundlichen Anpassung der Mahdtermine und -techniken angehalten werden. Am Wachtelkönigmonitoring im Rahmen des MsB können sich alle Vogelbeobachter:innen beteiligen, die bereit sind, auch einmal eine ganze Frühsommernacht draußen unterwegs zu sein. Dabei kommen oft faszinierende Landschaftseindrücke und Begegnungen mit anderen nachtaktiven Vogelarten wie Eulen, Wachteln, Rallen, Singvögeln und anderen Wildtieren zu Stande.

Wachtelkönig-Karte
Verbreitung gemeldeter Wachtelkönige 2026 in NRW (Quelle: ornitho.de)

Die Daten aus dem Wachtelkönigmonitoring und alle bei ornitho.de bzw. NaturaList gemeldeten Feststellungen fließen in das bis 2029 laufende bundesweite Atlasprojekt ADEBAR 2 ein. Dieses soll zum zweiten Mal einen Gesamtüberblick über die Verbreitung und Bestandssituation der Brutvögel in Deutschland und NRW geben. Durch Vergleiche mit dem ersten Brutvogelatlas aus den Jahren 2005 bis 2009 können Veränderungen der Vogelwelt in Zeiten des globalen Wandels dokumentiert und analysiert werden. Es wird daher eine unerlässliche Grundlage für Vogelkunde und Vogelschutz darstellen. Auch hier können alle Vogelkundler:innen in NRW durch zahlreiche Meldungen von Brutzeitbeobachtungen oder die Bearbeitung von Quadranten mithelfen.

Machen sie mit! Mein Dank geht an alle, die sich am Vogelmonitoring in NRW beteiligen.

Fragen zum Wachtelkönig-Monitoring und zum Atlasprojekt ADEBAR 2 beantwortet Ralf Joest (joest@nw-ornithologen.de)

Ralf Joest

 

 

24.08.2025

Beobachtungstipp – Höhepunkt des Wespenbussardurchzugs

Schlangenadler
Trotz schlechten Lichts lässt sich die Gestalt und die auffällige Bänderung eines Wespenbussardes erkennen (© Darius Stiels)

Ende August/Anfang September ist der Höhepunkt des Durchzugs der Wespenbussarde in Nordrhein-Westfalen. In den letzten Tagen gelangen bereits diverse Festetellungen. Wer jetzt aufmerksam beobachtet, wird früher oder später auf überfliegende Vögel stoßen. Die Bestimmung erfordert etwas Übung, ist aber zumindest bei nicht zu hoch fliegenden Vögeln meist möglich.

Wespenbussarde gehören zu den Langstreckenziehern unter den heimischen Greifvögeln. Die heimliche Waldart brütet u.a. in Nord- und Mitteleuropa, wo die Vögel erst im Mai ankommen und sich nach vollendeter Brut Ende August bis September wieder auf die lange Reise in die Winterquartiere im tropischen Afrika machen. Als hochspezialisierte Art, die sich gerne von Hymenopteren bzw. ihrer Brut ernährt, würde sie im Winter bei uns nicht ausreichend Nahrung finden. Als Thermiksegler erfolgt die Überquerung von Barrieren oft an speziellen Landmarken – das Mittelmeer wird an seinen engen Stellen überquert, z.B. an der Meerenge von Gibraltar; auch im Gebirge wie in den Alpen werden die Vögel gehäuft an bestimmten Pässen beobachtet. Hier bei uns in NRW scheint der Zug aber überwiegend als Breitfrontenzug stattzufinden. Dennoch lassen sich Greifvögel im Herbst natürlich besonders gut von Kuppen und erhöhten Punkten, die freie Sicht nach Nord bzw. Nordost erlauben, beobachten. Ende August/Anfang September ist die perfekte Zeit, um nach den ersten ziehenden Greifvögeln Ausschau zu halten. Neben Wespenbussarden ziehen nun auch Weihen wie etwa Rohrweihen und mit etwas Glück können auch Fischadler und andere Weihenarten wie z.B. Wiesenweihen beobachtet werden. Mit ganz viel Glück ist auch mal eine echte Seltenheit dabei (hier z.B. eine Schlangenadlerbeobachtung aus dem Jahr 2023). Wie schon erwähnt, müssen Wespenbussarde warme Aufwinde nutzen, um Höhe zu gewinnen, sie werden also meist erst im Laufe des Vormittages durchziehen. Auch später am Tag können sie natürlich beobachtet werden – in großer Höhe sind sie aber oft nur mit Mühe auszumachen. Gerade bei wolkenlosem Himmel ist das nicht einfach (kleiner Tipp: eine Sonnenbrille schont die Augen und kann die Entdeckungswahrscheinlichkeit erhöhen). Wespenbussarde ziehen übrigens regelmäßig in Trupps. Meist sind es bei uns zwar Einzelvögel oder kleine Trupps, aber auch Dutzende oder in seltenen Fällen Hunderte Individuen können gemeinsam ziehen oder in einer Schraube an Höhe gewinnen.

Die Bestimmung von Wespenbussarden ist für Beginner:innen nicht einfach. Innerhalb der Greifvögel sind sie mit den echten Bussarden (Gattung Buteo) gar nicht näher verwandt, die Ähnlichkeit ist also eher auf eine konvergente Evolution als Anpassung an eine ähnliche Lebensweise zurückzuführen. Sie sind etwas größer und langflügeliger als Mäusebussarde, der taubenartige Kopf und vor allem der lange und manchmal auffällig breite Schwanz lassen oft auch eine Bestimmung anhand der Silhouette zu. Rohrweihen können manchmal erstaunlich ähnlich wirken, haben aber einen schmaleren Schwanz. Die größte Verwechslungsgefahr sind aber natürlich Mäusebussarde, die bei uns die häufigsten mittelgroßen Greifvögel darstellen und durchaus auf dem Zug beobachtet werden. Sollten Gefiedermerkmale erkennbar sein, hilft die meist auffällige Bänderung auf den Schwingen und im Bereich der Schwanzbasis. Gute Bestimmungsbücher zeigen die wesentlichen Merkmale.

Wir hoffen, Sie und Ihr habt Lust gewonnen, in den nächsten Tagen verstärkt auf Greifvögel zu achten. Wir drücken die Daumen, dass auch tatsächlich Wespenbussard & Co Spektiv und Fernglas kreuzen werden. Beobachtungen sollten wie gewohnt bei ornitho.de bzw. via NaturaList-App gemeldet werden, wobei die Zugrichtung in den Detailangaben bzw. unter der Präzisierung der Beobachtung nicht fehlen sollte.

 

 

21.08.2026

Aktuelle Hinweise zur Suche nach Mornellregenpfeifern

Mornellkarte
Mornellregenpfeifer-Beobachtungen in NRW aus ornitho 2023-2025 (ornitho-regioportal)

Jetzt im Spätsommer, etwa zwischen Mitte August und Mitte September, ist es wieder so weit: Eines der spannendsten Phänomene des Vogelzugs im Binnenland Mitteleuropas lässt sich nun wieder beobachten. Auf frisch gegrubberten Äckern, oft in Kuppenlagen oder auf leicht südwestexponierten Hängen rasten an traditionellen Plätzen wieder Mornellregenpfeifer.

Die besten Beobachtungschancen bestehen meist früh morgens, bevor das Flimmern der Luft die Sicht deutlich einschränkt. Überfliegende Vögel werden oft anhand ihrer Rufe entdeckt. In NRW gibt es zwei recht gut bekannte Rastplätze, der eine befindet sich in der Hellwegbörde, der andere in der Zülpicher Börde. Auch in anderen Regionen Deutschlands gibt es vor allem in den Mittelgebirgen einige bekannte Rastplätze. Erfahrungsgemäß sind jetzt wieder viele Beobachter*innen unterwegs. Wer dort beobachtet, sollte einige Hinweise beachten, denn immer wieder kommt es zu Störungen der Vögel oder auch zu Konflikten mit der Landwirtschaft. Fast überall gilt Wegegebot, Feldwege dürfen nicht zugeparkt werden (und oft auch nicht befahren werden). Vor allem aber hat das Wohlergehen der Vögel immer Vorrang. Mornells gelten zwar als wenig störempfindlich, aber das muss keineswegs immer gelten – wenn sich die Vögel von Beobachter*innen wegbewegen, sind diese wahrscheinlich doch zu nah. Ein kräftezehrendes Auffliegen sollte unbedingt vermieden werden. Große Menschenansammlungen stören unter Umständen mehr als einzelne Beobachter*innen - vielerorts bitten lokale Ornis und auch Biologische Stationen darum, die Vögel punktgenau und geschützt in ornitho einzutragen bzw. gezielte Suchen vorher abzusprechen! Wer unsicher ist, kann sich ggf. bei seinen ornitho-Regionalkoordinator*innen erkundigen.

Bei all den Vorsichtsmaßnahmen bleibt die Suche nach Rastplätzen – auch zum Schutz dieser Art – wichtig. Wer Mornells suchen möchte, sollte also vor allem mal in den Gebieten nachsuchen, die bisher weniger gut abgedeckt sind. Es würde nicht überraschen, wenn es noch Rastplätze gibt, die wir bisher nicht auf dem Schirm haben. Übrigens, auch Negativkontrollen sind wichtig und sollten in ornitho eingetragen werden. Bitte geben Sie wann immer möglich auch das Alter der Vögel an. Aus dem Verhältnis von Alt- zu Jungvögeln sind möglicherweise Rückschlüsse auf den diesjährigen Bruterfolg möglich. Die aktuelle Verbreitungskarte zeigt, dass Mornellregenpfeifer fast überall in NRW auftauchen können. Und spannende Beobachtungen sind zu dieser Jahreszeit in der Feldflur nahezu garantiert. Viele andere Vögel ziehen nun durch und überfliegende rufende Stelzen und Pieper (inklusive Brachpieper) sowie durchziehende Greifvögel wie Weihen und Milane oder Falken wie Baumfalke, Merlin und Rotfußfalke werden immer wieder bei der Mornellregenpfeifersuche entdeckt.

Eine schöne Bestimmungshilfe für Mornellregenpfeifer gibt es hier; einen Überblick über die Herbstrast der Mornellregenpfeifer mit weiteren Hintergrundinformationen gibt es in diesem frei verfügbaren Falke-Artikel. Tonaufnahmen der Flugrufe gibt es z.B. bei xeno-canto.

 

 

13.08.2026

Wald im Wandel – neue Lebensräume für den Wendehals?

Wendehals
Wendehals (© Hans Glader)

Mit dem Verlust geschlossener Fichtenbestände verschwinden Lebensräume für typische Nadelwaldbewohner. Gleichzeitig entstehen lichte und strukturreiche Übergangsstadien. Stehendes und liegendes Totholz, einzelne verbliebene Altbäume, aufkommende Gehölze sowie eine vielfach üppige Kraut- und Grasvegetation schaffen ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume. Untersuchungen aus dem Harz zeigen, dass sich die Vogelgemeinschaften auf solchen Störungsflächen deutlich von denen geschlossener Fichtenbestände unterscheiden und einzelne Arten von der zunehmenden Strukturvielfalt profitieren.

Eine Art, für die diese Entwicklung positiv sein könnte, ist der Wendehals. Der Wendehals bevorzugt offene bis halboffene Landschaften mit lückiger Vegetation, in denen er am Boden nach Ameisen und anderen Wirbellosen sucht. Für die Brut benötigt er außerdem geeignete Höhlen, sodass strukturreiche Übergangsstadien mit Altbäumen, Totholz und offenen Bodenbereichen besonders günstig sein könnten.

In Nordrhein-Westfalen war der Wendehals lange Zeit eine Charakterart reich strukturierter Kulturlandschaften und besiedelte unter anderem alte, strukturreiche Obstwiesen, Grünlandflächen, Gärten und Waldränder sowie baumreiche Parklandschaften mit Alleen und Feldgehölzen. Details zum Lebensraum finden sich im letzten NRW-Brutvogelatlas. Im Laufe des 20. Jahrhunderts brachen die Bestände jedoch stark ein, und die Art kommt nur noch vereinzelt vor, z. B. in der Eifel, im Kreis Höxter und im Vogelschutzgebiet „Senne“ (geschätzter Gesamtbestand < 15 Brutpaare in 2015). Inzwischen mehren sich aber Hinweise auf eine beginnende Bestandserholung, z. B. durch eine Besiedlung von Mittelgebirgslagen, wo die oben erwähnten neuen Lebensräume entstanden sind.

Ob diese Entwicklung unmittelbar auf den Wandel der Waldstruktur zurückzuführen ist, lässt sich derzeit noch nicht belastbar beurteilen, aber Beobachtungen aus verschiedenen Regionen deuten zumindest darauf hin. Mehr dazu finden Sie im letzen bundesweiten DDA-Bericht Feedback-Bericht.

Die weitere Entwicklung verdient daher besondere Aufmerksamkeit. Gerade das Wendehals-Monitoring kann dazu beitragen, frühzeitig zu erkennen, ob die derzeit vielerorts entstehenden neuen Waldstrukturen tatsächlich zu einer nachhaltigen Bestandszunahme führen. Der Wendehals könnte damit zu einem interessanten Indikator für die ornithologischen Folgen des gegenwärtigen Waldwandels werden. Wenn Sie also Interesse haben, eine neue Erfassungsroute für den Wendehals zu übernehmen, dann melden Sie sich bitte. Ein Bonus ist, dass weitere interessante Arten wie Baumpieper, Grauspecht, Heidelerche oder Turteltaube miterfasst werden können.

Bruno Walther (walther@nw-ornithologen.de)

ps: Ausführliche Quellenangaben finden Sie hier (pdf-Datei).

 

 

04.08.2026

Zum Eulentag 2026: Wie viele Eulenarten leben in NRW?

Steinkauz
Steinkäuze sind vielerorts in NRW eine Charakterart der Kulturlandschaft (© Angelika Meister)

Der 04. August ist Eulentag. Wir nehmen den „Owl Awareness Day“ zum Anlass, um einen kurzen Überblick über die heimischen Eulenarten zu geben. NRW ist Eulenland. Wissen Sie spontan, wie viele Eulenarten bei uns als Wildvögel leben?

Die erste Art ist selbstverständlich unser Logovogel, der Steinkauz. Die kleine Eule ist im ganzen Tiefland von NRW verbreitet, hat aber vielerorts langfristige Bestandsabnahmen erfahren. Der Steinkauz ist eine Charakterart von Streuobstwiesen und Kopfweidenlandschaften und lebt nicht selten in unmittelbarer Nähe von Siedlungen und Bauernhöfen. Erhalt und Wiederherstellung seines Lebensraums gehören zu den wichtigsten Artenschutzmaßnahmen. Vielerorts haben Eulenschützer*innen auch Nistkästen aufgehängt, da natürliche Brutplätze durch den Verlust geeigneter höhlenreicher Bäume oft fehlen. NRW hat eine besondere Verantwortung für diese Vogelart, denn hier liegt auch bundesweit der Schwerpunkt der Verbreitung. Kein Wunder, dass viele NWO-Mitglieder aktiv im Steinkauzschutz tätig sind. Die Schleiereule hat eine Sonderstellung inne - sie gehört anders als die anderen Eulen (Familie Strigidae) in eine eigene verwandtschaftliche Gruppe (Familie Tytonidae). In Mitteleuropa leben Schleiereulen eigentlich nur in der Nähe menschlicher Behausungen - z.B. in Scheunen, wo sie als Mäusejäger durchaus willkommen sind. Wie dem Steinkauz kann der Schleiereule mit speziellen Artenschutzmaßnahmen geholfen werden. Sie brütet gerne in speziell bereitgestellten Nistkästen. Auch Schleiereulen waren einst deutlich häufiger. Waldkäuze sind dagegen die häufigste Eulenart bei uns - der typische Gesang („hu - huhuhuu“) ist aus vielen Krimis bekannt. Der Name passt, denn Waldkäuze leben wirklich vor allem in Wäldern, kommen aber auch in Parks und manachmal sogar in Gärten vor. Weniger bekannt ist die Waldohreule mit ihren auffälligen Federohren. Es sind keine echten Ohren, diese liegen wie bei allen Eulen seitlich am Kopf und sind durch Federn bedeckt. Manchmal bilden Waldohreulen winterliche Schlafgemeinschaften, meist in Birken oder Nadelbäumen, wo die Vögel oft zuerst durch ihre am Boden liegenden Gewölle Aufmerksamkeit erregen. Ein extrem seltener Vogel bei uns ist die Sumpfohreule, die leider nur vereinzelt brütet und in den meisten Regionen nur als seltener Wintergast oder Durchzügler zu beobachten ist. Sie ähnelt der Waldohreule, hat aber kaum Federohren und eine gelbe (statt orangefarbene) Iris. Sie braucht offene Landschaften und lebt z.B. in weitläufigen Moorgebieten. Die größte Eule bei uns ist der Uhu. Einst in Deutschland fast ausgestorben, gilt die Rückkehr des Uhus als Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Der imposante Vogel kann vielerorts selbst in Innenstädten angetroffen werden. Häufiger brütet er jedoch in Wäldern, Steinbrüchen und Felsklippen. Die kleinste Eule Europas ist der Sperlingskauz - er lebt bei uns nur im Mittelgebirge. Sperlingskäuze sind kaum größer als ein Star, erbeuten selbst aber Kleinvögel von ähnlicher Größe. Der Raufußkauz lebt bei uns ebenfalls vor allem in den höchsten Lagen der Mittelgebirge. Raufußkäuze brüten gerne in alten Schwarzspechthöhlen, nehmen aber auch Nistkästen an und sind in NRW leider vom Aussterben bedroht.

Schleiereule
Spektakulär und bei uns fast nie bei Tageslicht zu beobachten: Schleiereule (© Hans Glader)

Andere Eulenarten sind bei uns nur Ausnahmeerscheinungen. Nur ganz wenige Male sind Sperbereulen - Brutvögel der Taiga - in NRW nachgewiesen worden. Die beeindruckenden großen (schwarz-)weißen Schneeeulen wurden vor allem in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten in NRW als extrem seltene Invasionsvögel festgestellt. Von der vor allem im Mittelmeerraum beheimateten Zwergohreule - die einzige Transsaharazieherin unter den europäischen Arten - gab es in den letzten Jahren vermehrt einzelne Nachweise, wenn auch keineswegs in jedem Jahr. Anders als die beiden anderen Ausnahmeerscheinungen, die bei uns Wintervögel sind, wurden Zwergohreulen rufend im Frühjahr festgestellt, ein zweifelsfreier Brutnachweis fehlt aber. Ein vermehrtes Vorkommen der Zwergohreule in Mitteleuropa in den letzten Jahre könnte bei dieser wärmeliebenden Art natürlich eine Folge des Klimawandels sein.

Der Hochsommer ist leider keine besonders geeignete Zeit, um Eulen zu beobachten. Die Jungen vieler Arten werden nun selbständig und sind in der Regel jetzt längst flügge. Die meisten Arten brüten recht früh im Jahr. Die Hauptbalzzeit ist bei vielen Arten im Winter und Vorfrühling. Manche zeigen jedoch ab September eine Herbstbalz und sind dann wieder leichter festzustellen. Aufgrund ihrer nachtaktiven Lebensweise wissen wir vergleichsweise wenig über das Vorkommen und die Bestände vieler Eulenarten. Melden Sie daher Eulenbeobachtungen bei ornitho.de und tragen Sie so zu einer besseren Kenntnis und damit letztlich auch zu einem erfolgreicheren Schutz dieser Tiere bei.

Haben Sie mitgezählt? Acht Eulenarten kommen regelmäßig in NRW vor, drei weitere sind Ausnahmeerscheinungen. Wenn Sie also um die zehn Arten geschätzt haben, lagen Sie ziemlich richtig!

Wenn Sie sich selbst, für den Schutz der Eulen einsätzen möchten und bereits etwas Erfahrung mit der Erfassung von Vögeln haben, können Sie sich an einem unserer beiden Monitoringmodule im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel (MsB) beteiligen, die gezielt die Bestandsentwicklung dieser Vogelgruppe untersuchen. Damit werden wichtige Grundlagendaten erhoben, um u.a. den Gefährdungszustand der Arten besser beurteilen zu können. Beim MsB Eulen werden vor allem diejenigen angesprochen, die vielleicht schon Steinkauz oder Schleiereulen in einem Gebiet unterstützen, insbesondere durch das Aufhängen und Kontrollieren von Nistkästen. Es können aber auch Waldgebiete erfasst werden, in denen Arten wie Waldkauz, Waldohreule oder Uhu leben. Das zweite Modul, das MsB Kleineulen, widmet sich den beiden Arten Raufußkauz und Sperlingskauz. Methodisch handelt es sich um eine Transekterfassung. Beide Arten sind vor allem im Mittelgebirge beheimatet. Sollten Sie Vorkommen in der Nähe kennen, die sie regelmäßig erfassen möchten, sind Sie herzlich eingeladen, sich hier zu beteiligen.