Aktuelle Meldungen

05.03.2026

Rastbestände von Gänsen in Nordrhein-Westfalen in den Wintern 2010/11 bis 2024/25

Artikel-Cover
Artikel-Cover: Blässgänse (© Kees Koffijber)

Neuer Artikel im Charadrius: NRW ist Gänseland. Die letzten Jahre zeigten dabei eine hohe Dynamik bei den Beständen bzw. deren Trends. Christine Kowallik und Kollge:innen aus unserer AG Gänse fassen die Entwicklungen wie folgt zusammen.

„Nordrhein-Westfalen (NRW) gehört zu den Bundesländern mit hohen Gänsebeständen, bis zur Jahrtausendwende vor allem von ziehenden Arten, aber gerade in den letzten Jahrzehnten auch mit zunehmenden Beständen von Kanadagans, Graugans und Nilgans, die hier brüten und meist über das ganze Jahr anwesend sind (bei Graugänsen sind zusätzlich ziehende Vögel involviert, aber vermutlich in der Minderheit). In diesem Artikel werden die Ergebnisse der landesweiten Gänsezählungen ab 2010/11 vorgestellt. Darüber hinaus werden die langfristigen Entwicklungen präsentiert, die sich seit dem Beginn der regelmäßigen Gänsezählungen, zuerst am Unteren Niederrhein, aber in den letzten Jahren auch vermehrt in anderen Landesteilen, ergeben haben. Trends der jährlichen Maximalbestände zeigen bei einigen Arten langfristig mehr oder weniger kontinuierliche, teils auch stufenweise Zunahmen (Kanada-, Grau-, Nil- und Rostgans). Andere Arten haben bis in die 2010er Jahre sichtlich zugenommen, ihre Maximalbestände blieben seither aber mehr oder weniger stabil (Weißwangen- und Blässgans). Die Anzahlen der Tundrasaatgänse haben als einzige langfristig abgenommen, vermutlich in Folge eine Verlagerung der Winterbestände in die Niederlande. Von November bis Februar sind in letzter Zeit oftmals mehr als 200.000 Gänse anwesend, mit Spitzenzählungen bis zu 334.000 Individuen (Dezember 2023). Die Blässgans stellt den größten Anteil (oft > 80 %) dieser Zahlen. Auffällig sind weiter die hohen Bestände von etablierten Neozoen wie Kanadagans, Nilgans und Rostgans, von denen NRW im gesamtdeutschen Kontext hohe Populationsanteile beheimatet, bei der Rostgans sogar über 50 %. Von den ziehenden Arten hat NRW hohe Anteile vom nationalen Bestand bei der Zwerggans (66 %) und der Blässgans (45 %). Im internationalen Vergleich hat NRW ebenfalls eine hohe Relevanz speziell für Blässgänse (18 % der Flyway-Population) und Zwerggänse (17 % der schwedischen Brutpopulation); letztere Art hat ihr einziges etabliertes deutsche Rastgebiet in Kreis Soest in NRW. Bestandszunahmen von ziehenden und hier ansässigen Gänsen, aber regional auch die Renaturierung von Feuchtwiesengebieten und die Flutung von Abgrabungsgewässern, haben zu einer Ausweitung der Verbreitung in NRW geführt, wenngleich die Bestände in solchen neuen Gebieten im Vergleich zu den Konzentrationen am Unteren Niederrhein oder der Weser noch relativ klein sind. Gegenüber einer aktuellen Verzögerung der Ankunft im Herbst steht eine Zunahme der Bestände im März, die beide darauf hinweisen, dass das Zuggeschehen einer gewissen Dynamik unterliegt. So wird vermutet, dass vor allem Blässgänse im Spätwinter vermehrt aus den Niederlanden herüberkommen, bevor sie den eigentlichen Heimzug starten. Viele solche Aspekte sind aber noch nicht umfassend geklärt und bedürfen weiterer Analysen.“

Der Charadrius mit diesem und weiteren Beiträgen ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Auch Neumitglieder erhalten das Heft zusammen mit den beiden aktuellen Bänden „Vögel in Deutschland“ (solange der Vorrat reicht). NWO-Mitglied werden lohnt sich!

 

 

03.03.2026

Neue Saison steht vor der Tür: Mitmachen beim Monitoring häufiger Brutvögel

Blaumeise
Blaumeisen sind häufige Brutvögel in NRW
(© Hans Glader)

Meisen, Singdrosseln, Heckenbraunellen und viele andere singen bereits. Der Start in die Saison des Monitorings häufiger Brutvögel (MhB) steht unmittelbar bevor. Wir brauchen Ihre Unterstützung, um Bestandstrends und deren Ursachen besser zu verstehen.

Häufige Brutvögel sind entscheidend für das Ökosytem. Sie machen in der Regel die große Anzahl, aber auch nicht selten die entscheidende Vogel-Biomasse in unseren Lebensräumen aus. Viele von ihnen haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten zudem starke Bestandsveränderungen erfahren, einige positiv, andere ehemalige Ubiquisten stehen heute auf der Roten Liste. Das Überwachen der Bestandstrends dieser Vögel ist also von enormer Bedeutung. Bundesweit hat der DDA eine Liste von 99 Vogelarten identifiziert, deren Populationsveränderungen mit dem MhB überwacht werden sollen. Dazu brauchen wir Ihre Mithilfe.

Beim MhB wird die Brutvogelwelt auf 1 km2 großen Probeflächen im Rahmen einer Linienkartierung entlang öffentlicher Wege erfasst. Dazu wird die Fläche pro Jahr viermal in festgelegten Zeiträumen zwischen dem 10. März und 20. Juni erfasst. Die Flächen sind zufällig verteilt. Auch in Ihrer Nähe gibt es sicherlich freie Untersuchungsgebiete. Voraussetzung, um mitzumachen, ist vor allem die Fähigkeit, die heimischen Vögel sicher an Aussehen und Lautäußerungen zu erkennen und sich in die Methode einzuarbeiten. Dazu gehört insbesondere die Kenntnis der anzuwendenden Brutzeitcodes. Das MhB ist damit die „Königsdisziplin“ unter den Monitoringprogrammen. Gleichzeitig kann die Datenaufnahme und Übertragung bequem über die NaturaList-App (Android) erfolgen. Die Erstellung der Reviere kann zudem mittlerweile weitestgehend automatisiert durchgeführt werden. Die Details zum Programm sind hier zusammengefasst. Freie Untersuchungsgebiete können einfach über eine Mitmachbörse ausgewählt werden.

Bei Interesse oder weiteren Fragen stehen wir gerne zur Verfügung (geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de). Wir freuen uns über Ihr Engagement!

ps Diejenigen, die schon dabei sind und noch auf Papierkarten benötigen, erhalten diese in Kürze.

 

 

02.03.2026

Rückblick Mitgliederversammlung und Jahrestagung am Sonntag, den 01.03.2026

Etwa 100 Personen trafen sich gestern in der NUA in Recklinghausen, um sich über Vogelkunde und Vogelschutz in Nordrhein-Westfalen auszutauschen. Wir blicken zurück auf unsere diesjährige Mitgliederversammlung und Jahrestagung

Gruppenbild
Gruppenfoto (© Kathrin Schidelko)
Zuhörerschaft
In der NUA (© Kathrin Schidelko)

Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Mitgliederversammlung. Der Vorstand berichtete aus seiner Tätigkeit. Mit dem neuen Atlasprojekt und einem seit letztem Jahr neuen geschäftsführenden Vorstand kann wohl ohne Untertreibung gesagt werden, dass das Jahr 2025 arbeitsreich war und viel auf den Weg gebracht werden musste. Der Charadrius erschien pünktlich, das erste Heft 2026 erschien bereits und auch das nächste Heft ist in Teilen bereits in Arbeit. Wer interessante Beiträge hat, ist herzlich eingeladen, diese einzureichen. Darüber hinaus standen Beiratswahlen an. Dr. Ralf Joest und Dr. Bruno Walther wechselten in das Atlasprojekt, so dass zwei Plätze frei wurden. Mit Ralph Achenbach und Maximilian Roth fanden sich glücklicherweise zwei Nachfolger, die sich zukünftig engagiert in die Beiratstätigkeit einbringen werden.

Eine besondere Freude ist es für die NWO, Preise und Ehrenmitgliedschaften zu vergeben.

NWO-Preis
Barbara C. Meyer mit Jurysprecher Peter Herkenrath (© Kathrin Schidelko)
Förderpreis
Maximilian Roth mit Jurysprecher Peter Herkenrath (© Kathrin Schidelko)

NWO-Preis

Für ihre Verdienste um Vogelkunde und Vogelschutz an der Flussseeschwalbe und anderen Arten am Unteren Niederrhein und darüber hinaus sowie ihr jahrzehntelanges Engagement für die Gesellschaft Rheinischer Ornithologen und die NWO wird Barbara C. Meyer mit dem NWO-Preis 2026 der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft ausgzeichnet. (Laudatio)

NWO-Förderpreis

Für seine fachlich und methodisch herausragende Masterarbeit zu Habitatpräferenzen des Sumpfrohrsängers an der Sieg wird Maximilian Roth der NWO-Förderpreis 2026 der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft verliehen. (Laudatio)

 

Ehrenmitgliedschaften

  • Für seine langwährenden Verdienste um die Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft als Redakteur des Charadrius über 24 Jahre und sein Engagement in der OAG Bonn inklusive der Veröffentlichung „Die Vögel im Großraum Bonn" wird Prof. Dr. Hans-Eckart Joachim mit der Ehrenmitgliedschaft der NWO ausgezeichnet.
  • Für seine langwährenden Verdienste um die Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft als 1. Vorsitzender über sechs Jahre, als Leiter der AG Spechte über 26 Jahre und für sein langjähriges Engagement für Vogelkunde und Vogelschutz in NRW wird Dr. Joachim Weiss mit der Ehrenmigliedschaft der NWO ausgezeichnet.
  • Für seine langwährenden Verdienste um die Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft und die bundesweite wie internationale Avifaunistik, als Beiratsmitglied über 34 Jahre und die jahrzehntelange Leitung der OAG Bonn wird Dr. Goetz Rheinwald mt der Ehrenmitgliedschaft der NWO ausgezeichnet.
Gruppenbild
Die Gewinner des Vogelquiz (© Kathrin Schidelko)
Dr. Goetz Rheinwald
Dr. Goetz Rheinwald konnte die Ehrenmitgliedschaft persönlich von Michael M. Jöbges in Empfang nehmen (© Kathrin Schidelko)

Das Vortragsprogramm begann mit dem Bericht aus der Vogelschutzwarte. Bettina Fels berichtete vom Schutz der Wiesenvögel in NRW im Rahmen eines LIFE-Projektes. Danach kamen die Birder auf ihre Kosten. Tobias Rautenberg und Daniel Hubatsch stellten bildreich den Bericht aus unserer Avifaunistischen Kommission vor. Das allseits beliebte Vogelquiz rundete das Vormittagsprogramm ab. Daniel Duff und Michael Schmitz hatten neben Rätselfotos auch Rätselstimmen mitgebracht. Nach einer ausgiebigen Mittagspause wurden die Sieger verkündet: Lennart Haak, Johannes Amshoff, Tobias Rautenberg und Jonas Brüggeshemke. Prof. Dr. Christoph Randler hielt den externen Hauptvortrag des Tages, bei dem er uns Vogelbeobachtende unterhaltsam, aber gleichsam wissenschaftlich soziologisch unter die Lupe nahm. Dr. Ralf Joest und Dr. Bruno Walther stellten die neuesten Entwicklungen aus ADEBAR und dem neuen Steinkauz-Modul vor. Zwei spannnende Vorträge sorgten für einen gelungenen Abschluss: Mit Christine Kowallik begleiteten wir Zwerggänse von ihren Brutgebieten über Rastplätze hin zu ihren Winterquartieren. Barbara C. Meyer und Stefan R. Sudmann stellten den Abschluss des Ziegenmelker-Projektes vor und fragten dabei auch, ob die Vögel elektronische Musik mögen.

Zwischendurch blieb natürlich genug Zeit für den ornithologischen Austausch. Ein Büchertisch der Firma AULA gab Gelegenheit zum Stöbern, wir bedanken uns für die Buchpreise! Die NUA stellte uns dankenswerterweise die Räumlichkeiten zur Verfügung. Abschließend bedanken wir uns bei allen Vortragenden und Teilnehmenden für die rundum gelungene Veranstaltung!

 

 

26.02.2026

Seltene Vogelarten in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023

Artikel-Cover
Artikel-Cover: Eistaucher
(© Ralph Achenbach)

Neuer Artikel im Charadrius: Der neueste Seltenheitenbericht für das Jahr 2023 liegt nun vor. Unsere Avifaunistische Kommission fasst die Beobachtungen des Jahres so zusammen.

„Im Jahr 2023 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 283 Vogelarten der Kategorie A festgestellt. Nach Anerkennung durch die DAK und AviKom NRW wurden mit Dünnschnabelmöwe Chroicocephalus genei (2 Ind., 5.5.2023 ME) und Corysturmtaucher Calonectris borealis (15.10.2023 HS) zwei Arten erstmals in NRW nachgewiesen. Daneben gelangen drei Nachweise des Buschrohrsängers Acrocephalus dumetorum (3.-5. Nachweis), der jeweils sechste Nachweis von Würgfalke Falco cherrug (3.10.2023 UN) und Kurzzehenlerche Calandrella brachydactyla (1.5.2023 LEV), der siebte Nachweis des „Polarbirkenzeisigs” Acanthis flammea hornemanni/exilipes (7.12.2023 MS) und der achte Nachweis des Berglaubsängers Phylloscopus bonelli (19.4. + 16.5.-14.6.2023 VIE). Ebenfalls bemerkenswert war das Auftreten des Eistauchers Gavia immer mit insgesamt 13 Ind., davon 11 Ind. im Winter 2023/24.“

Der Charadrius mit diesem und weiteren Beiträgen ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Auch Neumitglieder erhalten das Heft zusammen mit den beiden aktuellen Bänden „Vögel in Deutschland“ (solange der Vorrat reicht). Der Bericht der AviKom kann zudem kostenlos als pdf hier heruntergeladen werden. Bitte beachten Sie aber, dass die Arbeit der AviKom ehrenamtlich erfolgt. Mit einer Spende oder Mitgliedschaft unterstützen Sie das Birding in NRW!

 

 

19.02.2026

Prädationsmanagement im Wiesenvogelschutz: Bruterfolgsmonitoring beim Großen Brachvogel

Artikel-Cover
Artikel-Cover: Brachvögel (© Hans Glader)

Neuer Artikel im Charadrius: Wiesenvögel sind eine der bedrohtesten Vogelgruppen Mitteleuropas. Für effektiven Schutz ist ein Bruterfolgsmonitoring wichtig. Deborah Harbring und Sascha Buchholz stellen Ergebnisse aus dem westlichen Münsterland vor, die im Rahmen eines Life-Projektes gewonnen wurden. Sie bringen ihre Ergebnisse in der folgenden Zusammenfassung auf den Punkt.

„Prädationsmanagement in Offenlandschutzgebieten wird mit Intensivierung der Landnutzung immer bedeutsamer im Naturschutz. Der steigende Prädationsdruck gegenüber bodenbrütenden Vogelarten ist ein weitreichendes Problem geworden. In dieser Studie geht es um das EU-Projekt „LIFE Wiesenvögel NRW“ und dessen Umsetzung in einem Naturschutzgebiet im Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen. Das Untersuchungsgebiet ist ein 250 ha großes Teilgebiet des NSG „Amtsvenn und Hündfelder Moor“ und wird als „Amtsvenn-Süd“ bezeichnet. Im Rahmen des LIFE-Projekts wurden Maßnahmen zur Lebensraumoptimierung für den Großen Brachvogel Numenius arquata und weitere Wiesenlimikolen getroffen. Zu den Maßnahmen gehören die Entfernung von Gehölzen, Freilegung von Blänken, Anpassung der Grünlandbewirtschaftung sowie Prädationsmanagement. Die Untersuchung bezieht sich auf die Daten aus dem Brutvogelmonitoring des Großen Brachvogels im Jahr 2023. Es wurde festgestellt, dass 57 % der 23 Gelege vor dem Schlupf prädiert wurden (9 % Verluste durch Viehtritt). Hauptprädator war der Rotfuchs mit einem Anteil von 46 %, gefolgt von Marderartigen mit einem Anteil von 31 %. Elektrozäune zur Abwehr von Prädatoren hatten einen positiven Effekt auf den Bruterfolg. Die Nutzungstypen Mähwiese, Mähweide und Weide wurden hinsichtlich des Bruterfolgs verglichen. Dabei wurde ermittelt, dass Mähweiden den höchsten Schlupferfolg hatten und Weiden keinen. Außerdem wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Vegetationshöhe um das Gelege und dem Schlupferfolg ermittelt. Schließlich werden Maßnahmen im Prädationsmanagement diskutiert, die zum Erhalt der lokalen Brachvogel-Population beitragen können.“

 

Der Charadrius mit diesem und weiteren Beiträgen ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Auch Neumitglieder erhalten das Heft zusammen mit den beiden aktuellen Bänden „Vögel in Deutschland“ (solange der Vorrat reicht). NWO-Mitglied werden lohnt sich!

 

 

12.02.2026

Die Rückkehr des Fischadlers nach Nordrhein-Westfalen

Artikel-Cover
Artikel-Cover: Fischadler
(© Kevin Vuagniaux/Wildkamera)

Neuer Artikel im Charadrius: Seit Jahrzehnten war der Fischadler in NRW ausgestorben. Nun konnte erstmals wieder eine erfolgreiche Brut dokumentiert werden. Michael Jöbges und seine Kollegen fassen die Ergebnisse wie folgt zusammen.

„Zusammenfassend wird die erste erfolgreiche Brut des Fischadlers seit 1930 in Nordrhein-Westfalen dokumentiert. Der Brutplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe zu etablierten Brutstandorten der Art am Steinhuder Meer und am Dümmer in Niedersachsen. Das Nest wurde in einen künstlichen Nistkorb auf einem Strommast gebaut, der bereits 1993 angebracht worden war. Nach Brutversuchen in den Jahren 2023 und 2024 wurde 2025 eine erfolgreiche Brut (ein flügges Jungtier) verzeichnet. Um Störungen zu vermeiden, wurde die Umgebung des Nistplatzes durch Straßensperren weiträumig geschützt. An den Krickenbecker Seen, nahe der niederländischen Grenze im Kreis Viersen, wurden Fischadler, die eine künstliche Nistplattform besuchten, von 2023 bis 2025 mit Hilfe einer Wildkamera intensiv beobachtet. Nestbauaktivitäten und Paarungen wurden aufgezeichnet, aber bisher wurde kein Brutversuch beobachtet. Anhand der Gefiedermerkmale konnte beobachtet werden, dass mehrere Individuen die Nistplattform besuchten, darunter beringte Individuen aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Großbritannien, Spanien und Russland. Eine Brut scheint hier in näherer Zukunft nicht ausgeschlossen und passt gut zu den Ansiedlungen in den benachbarten Niederlanden.“

Der Charadrius mit diesem und weiteren Beiträgen ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Auch Neumitglieder erhalten das Heft zusammen mit den beiden aktuellen Bänden „Vögel in Deutschland“ (solange der Vorrat reicht). NWO-Mitglied werden lohnt sich!

 

 

 

 

09.02.2026

Für ADEBAR und Vogelmonitoring – Mit zwei Spaziergängen pro Jahr Brutvögel der Bäche und Flüsse erfassen

Eisvögel, Wasseramseln und Gebirgsstelzen sind typische Bewohner schnell fließender Bäche und Flüsse. Ihre Brutverbreitung ist entsprechend nicht gleichmäßig über die Fläche verteilt, sondern sie kommen linear in der Landschaft vor, was ein spezielles Monitoring erfordert.

Wasseramsel
Wasseramseln leben an klaren Bächen mit steinigem Grund, wo sie nach Insektenlarven und kleinen Krebsen tauchen (© Hans Glader)
Gebirgsstelze
Gebirgsstelzen nutzen Gebäude in Gewässernähe als Singwarte und Brutplatz
(© Darius Stiels)

Eisvogelbestände waren lange Zeit gefährdet, in den letzten Jahrzehnten haben sich die Bestände bei uns aber wieder stabilisiert. Kalte Winter überleben viele Individuen jedoch nicht. Gebirgsstelzen gelten als ungefährdet und sind in NRW weit verbreitet, kommen aber ebenfalls schwerpunktmäßig an Fließgewässern vor. Wasseramseln sind in der Verbreitung dagegen bei uns nahezu ausschließlich auf die Mittelgebirge beschränkt. Mindestens lokal dürfte es deutliche Bestandsabnahmen gegeben haben.

Für ADEBAR 2 sollten vollständige bzw. unvollständige Listen für diese Arten entlang von Fließgewässern erhoben werden. Im Februar lohnt es bereits, sich auf die Suche nach Wasseramseln zu machen. Sie gehören zu den Arten, die sehr früh im Jahr brüten, bereits jetzt Reviere besetzt haben und mit dem Nestbau beschäftigt sind. Für die beiden anderen Arten sind spätere Termine besser.

Langfristig angelegt ist das Binnengewässermodul im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel (MsB BiG), das wir intensiv ausbauen möchten. Wer an Bächen und Flüssen mit den drei Hauptzielarten kartiert, kann bereits mit zwei Begehungen im Jahr mitmachen! Voraussetzung ist lediglich, die drei Arten visuell und akustisch sicher zu bestimmen. Perfekt sind Wege entlang des Gewässers, zudem kann von Brücken aus geschaut werden, an denen nicht selten Gebirgsstelze und Wasseramsel sogar brüten. Die beiden Begehungen finden morgens Ende März/Anfang April und im Mai statt. Die Dateneingabe erfolgt am einfachsten bequem per NaturaList-App. Daten aus dem MsB stehen auch automatisch für ADEBAR 2 zur Verfügung. Untersuchungsgebiete richten wir gerne mit Ihnen gemeinsam ein! An übersichtlichen Stillgewässern wie Parkteichen und wenn weitere Arten im Fokus stehen, wird das BiG mit drei Begehungen durchgeführt und ist dann ebenfalls einstiegsgeeignet.

Alle wichtigen Informationen gibt es hier. Wer mitmachen möchte bzw. noch Fragen hat, kann sich gerne melden (info@nw-ornithologen.de)!

 

 

08.02.2026

Neuer Charadrius und Vögel in Deutschland

Charadrius + Vögel in Deutschland
Veröffentlichungen für unsere Mitglieder

Unser neuer Charadrius, Heft 1 des 62. Jahrgangs, ist soeben erschienen. In den nächsten Tagen sollte es bei allen Mitgliedern angekommen sein. Als besonderen Bonus erhalten unsere Mitglieder außerdem die beiden aktuellsten Bände der Reihe „Vögel in Deutschland“, die vom Dachverband Deutscher Avifaunisten und seinen Partnern herausgegeben wird.

Der neue Charadrius ist 80 Seiten stark und enthält vier Originalartikel. Michael Jöbges et al. dokumentieren die erfreuliche Rückkehr des Fischadlers nach Nordrhein-Westfalen. Im zweiten Artikel berichten Deborah Harbring und Sascha Buchholz über das Prädationsmanagement im Wiesenvogelschutz am Beispiel des Großen Brachvogels. Die Avifaunistische Kommission präsentiert den reich bebilderten Bericht über seltene Vogelarten in NRW im Jahr 2023. Vielleicht haben auch Sie eine Seltenheit dokumentiert und finden sich in diesem Beitrag wieder. Der Abschlussartikel widmet sich dem Rastvogelmonitoring: Christine Kowallik und Kolleg:innen befassen sich in ihrem Artikel mit Rastbeständen von Gänsen in NRW in den Wintern 2010/11 bis 2024/25.

Der Charadrius enthält außerdem die aktuellen NWO-Mitteilungen Nr. 62 mit zahlreichen Beiträgen aus dem Verein und darüber hinaus. Beachten Sie, dass das Heft auch die Einladung zu unserer Mitgliederversammlung und Jahrestagung am 01. März enthält.

Wir freuen uns sehr, dass es uns möglich war, dieses Mal wieder zwei Bonus-Hefte aus der Reihe „Vögel in Deutschland“ für unsere Mitglieder beizulegen. Es handelt sich um das im Dezember erschienene Heft zur Bestandssituation der „Vögel in Deutschland“, das im Rahmen des letzten Vogelschutzberichtes der Europäischen Union erstellt wurde. Bis zum Erscheinen von ADEBAR 2 wird es das Referenzwerk für Brutbestände in unserem Land sein und daher für Viele von großem Interesse sein. Das zweite Heft ist nicht minder interessant und wurde erst vor wenigen Tagen gedruckt. Es ist das Schwerpunktheft zu ADEBAR 2 und daher eine wichtige Grundlage für das wohl aktuell wichtigste avifaunistische Projekt bei uns.

Der Charadrius ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Aktive im Monitoring und Kartierende bei ADEBAR 2, die die Hefte „Vögel in Deutschland“ noch nicht erhalten haben, erhalten diese bei unseren Veranstaltungen (so lange der Vorrat reicht). Neumitglieder bekommen die Hefte im Rahmen eines Begrüßungspaketes zugeschickt. Es lohnt sich also, jetzt Mitglied zu werden!

 

 

06.02.2026

Neues Modul im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel

Bekassine
Steinkauz (© Hans Glader)

Der Steinkauz ist eine der Charakterarten der Tiefländer Nordrhein-Westfalens. Mit schätzungsweise 50 bis 60 % des bundesdeutschen Bestandes trägt NRW eine besondere Verantwortung für diese Art. Als typische Leitart strukturreicher Kulturlandschaften wie Streuobstwiesen, Weiden und extensiv genutzter Offenlandbereiche steht der Steinkauz zugleich für den Erhalt ortsnaher Lebensräume. Er ist zudem der Logovogel der NWO. Wie bei anderen Eulenarten auch fehlte bisher ein spezielles Monitoring, das modernen methodischen Standards genügte. Das hat sich nun geändert!

Bestände und ihre Veränderungen beim Steinkauz und anderen Eulenarten sind aufgrund der nächtlichen Lebensweise kaum ohne spezielle Methodik nachzuweisen. Gleichzeitig werden vielerorts Steinkäuze, aber z.B. auch Schleiereulen, seit langer Zeit intensiv durch Nisthilfen unterstützt. Vor diesem Hintergrund konnte nun ein neues Modul im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel etabliert werden, das sich speziell den Eulen widmet.

Zielarten dieses neuen Brutbestandsmonitorings sind neben Steinkäuzen auch die anderen regelmäßig bei uns brütenden Eulenarten Schleiereule, Uhu, Waldkauz und Waldohreule. Für die Kleineulen Sperlingskauz und Raufußkauz existiert bereits ein eigenes Modul im Rahmen des MsB, das allerdings ebenfalls noch weitere Unterstützung benötigt.

Das nun implementierte Eulen-Modul ist zweigeteilt und sieht die Erfassung mittels Klangattrappen und/oder Nistkastenkontrollen vor. Aufgrund einer hohen Flexibilität können so auch lokale langjährig bestehende Untersuchungsreihen fortgesetzt werden. Gleichzeitig können für einzelne Revierstandorte (Niströhren) auch Daten zum Bruterfolg gespeichert und ausgewertet werden, so dass die Möglichkeiten über die vieler anderer Monitoring-Module hinausgehen. Die selbst zu wählenden Untersuchungsgebiete sind in der Regel vergleichsweise groß, können also beispielsweise Viertel- oder Sechzehntelquadranten der Topographischen Karte 1:25.000 umfassen. Auch mehrere Untersuchungsgebiete können ausgewählt werden, falls z.B. ein sehr großes Gebiet wie weite Teile eines Kreises erfasst wurden. Gerade für Arten wie Waldohreule und Waldkauz sind auch leicht abzugrenzende Waldbereiche und andere unregelmäßig geformte Gebiete sinnvolle Probeflächen. Die Dateneingabe erfolgt wie gewohnt bequem über einen speziellen Bereich in der NaturaList-App (Android-Smartphone), der erst nach Freischaltung durch uns verfügbar ist. Der Mehraufwand ist im Feld bei Nistkastenkontrollen also überschaubar, sobald einmal die Niströhren erfasst worden sind. Für die Kartierung ohne Nistkastenkontrollen ist die Klangattrappe bereits in die App intergriert, so dass lediglich ein externer Lautsprecher notwendig ist.

Die meisten Steinkauz- und Schleiereulen-Expert:innen, die Nistkästen kontrollieren bzw. Jungvögel beringen, haben wahrscheinlich schon vom neuen Modul gehört. Wir bitten Sie, sich mit unserem Ansprechpartner in Verbindung zu setzen, damit auch Sie Daten aus Ihrem Gebiet zukünftig digital übermitteln können. Bei den anderen Eulenarten oder dort, wo es noch keine intensive Steinkauz-/Schleiereulenbetreuung gibt, sind alle Interessierten aufgerufen, sich intensiv am Monitoring zu beteiligen.

Selbstverständlich stehen die Daten aus dem Modul auch unmittelbar für ADEBAR 2 zur Verfügung und unterstützen den Vogelschutz, da die Informationen beispielsweise auch in den Vogelschutzbericht oder Rote Listen eingehen können. Ausführliche Informationen und der Kontakt für weitere Fragen finden sich hier . Wir bedanken uns bei allen Eulenschützer:innen, die die Implementierung des Moduls unterstützt haben. Die fachliche Begleitung erfolgte durch den Dachverband Deutscher Avifaunisten. Die Einrichtung des Moduls wurde dankenswerterweise finanziell vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW unterstützt.

 

 

05.02.2026

Vortrag der Kartiergemeinschaft Wahner Heide im Kölner Zoo

Aggeraue
Auch die Agger fließt durch die Wahner Heide (© Antonia Albrecht)

Unsere Regionalgruppe, die Kartiergemeinschaft Wahner Heide (KGW), erfasst seit langer Zeit die Vogelwelt in einem der artenreichsten Gebiete Nordrhein-Westfalens. Am 10.02. um 18:30 Uhr präsentiert sie für den Kölner Zoo einen Vortrag, bei dem Region und Vogelwelt vorgestellt werden.

In weitem Umkreis gibt es kein Gebiet mit einer so reichhaltigen Fauna an terrestrischen Vogelarten, hinzu kommen unzählige hochgradig bedrohte Wirbeltiere über die Vögel hinaus, seltene Wirbellose wie eine in NRW kaum erreichte Zahl an Wildbienenarten, typische Moorlibellen und zahlreiche Schmetterlinge und bedrohte Pflanzen. Die Vogelwelt des Gebietes umfasst Bewohner offener Heidegebiete wie Schwarzkehlchen und Heidelerche, Arten der halboffenen Landschaft wie Baumpieper, Neuntöter und Orpheusspötter lassen sich ebenfalls zuverlässig beobachten. Im Grünland dominieren Wiesenpieper und Feldlerche, die andernorts bereits selten geworden sind. In den Wäldern leben heimliche Greifvögel wie der Wespenbussard, abends balzen Waldschnepfen und in manchen Jahren lassen sich alle in NRW aktuell heimischen Spechtarten beobachten. An den Gewässern der Wahner Heide leben zudem Wasserralle und Rohrammer, an der Agger sind Eisvögel und viele andere nicht selten.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Der Vortrag kann sowohl in Präsenz besucht werden, als auch online via Zoom verfolgt werden. Die Details zur Anmeldung finden Sie auf den Seiten des Kölner Zoos.

Die Kartiergemeinschaft Wahner Heide sucht übrigens immer erfahrene Kartierende, die helfen, die artenreiche Vogelwelt der Wahner Heide alljährlich zu erfassen. Bei Interesse finden Sie hier weitere Informationen.

 

 

04.02.2026

Neue Meldeliste für die Dokumentation von Seltenheiten bei der AviKom

Karmingimpel
Karmingimpel stehen neu auf der Meldeliste (© Wikimedia cc 0/gemeinfrei)

Die Beobachtung seltener Vogelarten sind nicht nur das Salz in der Suppe der Vogelbeobachtung, ihre Dokumentation zeigt spannende Veränderungen in der Vogelwelt auf. Einst extrem seltene Arten tauchen heute häufiger auf, andere werden vom Brutvogel zur absoluten Ausnahmeerscheinung.

Aus diesem Grund wird auch die Meldeliste unserer Avifaunistischen Kommission (AviKom) regelmäßig angepasst, um aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Dies soll zukünftig in regelmäßigen Abständen von fünf Jahren passieren, so dass zwischendurch gleichzeitig auch eine gewisse Konstanz gewahrt bleibt, auf die sich Beobachtende einstellen können. Vorher aber wurde die Meldeliste nun noch einmal angepasst. Dies geschah rückwirkend zum 01.01.2025.

Die Änderungen sind überschaubar, nichts destotrotz betreffen sie einige gut bekannte und charismatische Arten. Neu „meldepflichtig“ sind Nebelkrähe, Wanderfalken der Unterart Falco peregrinus calidus und Karmingimpel. Gerade die Bestimmung der ersten beiden ist nicht einfach, da es bei Nebelkrähen oft Hybriden gibt und phänotypisch eindeutige hochnordische Wanderfalken über ein „mit Merkmalen von“ hinaus erstaunlich selten dokumentiert worden sind. Nicht mehr dokumentiert werden müssen Eistaucher, Kuhreiher, Steppenweihe und Raubseeschwalbe. Hier gelingen mittlerweile so regelmäßig Beobachtungen, dass zumindest bis auf Weiteres von einer Einreichung bei der AviKom abgesehen werden kann. Noch nicht eingereichte Beobachtungen bis zum 31.12.2024 sollten aber unbedingt nachgereicht werden. Und selbstverständlich sollten Beobachtungen dieser nicht meldepflichtigen Arten auch weiterhin auf ornitho.de dokumentiert werden. Hier ist es ausdrücklich erwünscht, Belegfotos hochzuladen und eine sorgfältige Beschreibung im Bemerkungsfeld zu hinterlegen, die die Beobachtung eindeutig macht und eine Verwechslung ausschließt. Bitte schreiben Sie dort nicht nur, dass Sie eine Art kennen, sondern geben Sie die tatsächlich von Ihnen festgestellten Merkmale an.

Die aktuelle Meldeliste kann hier heruntergeladen werden. Wir drücken die Daumen, dass auch Sie Glück haben und die ein oder andere Ausnahmeerscheinung in nächster Zeit beobachten können.

 

 

02.02.2026

Welttag der Feuchtgebiete

Bekassine
Bekassinen sind als Brutvögel in NRW vom Aussterben bedroht (© Hans Glader)

Heute ist Welttag der Feuchtgebiete. Am 02. Februar 1971 wurde in der iranischen Stadt Ramsar das Übereinkommen über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, unterschrieben. Deutschland trat fünf Jahre später bei und feiert im Jahr 2026 die 50-jährige Unterzeichnung.

Feuchtgebiete gehören zu den produktivsten Lebensräumen der Erde, sie halten das Wasser für Trockenzeiten, wirken mäßigend auf das Klima, speichern CO2, sind Erholungsräume, essentiell für Land- und Forstwirtschaft und vor allem Hotspots der Artenvielfalt. Weltweit nimmt die Zahl der Feuchtgebiete durch menschlichen Einfluss leider immer weiter ab und viele sind stark geschädigt.

In NRW wurden drei Gebiete als Ramsargebiet von internationaler Bedeutung gemeldet: der Untere Niederrhein, die Rieselfelder Münster und die Staustufe Schlüsselburg. Blicken wir auf den Zustand der Feuchtgebiete in unserem Bundesland insgesamt, wurden auch bei uns Moore großräumig entwässert, Flüsse begradigt und noch so kleine Feuchtstellen, Tümpel und Teiche sind trockengelegt worden und der Grundwasserspiegel wurde fast überall abgesenkt. Das alles sind Prozesse, die keineswegs überall gestoppt wurden und die Klimakrise ist als weiterer Gefährdungsfaktor hinzugekommen.

Auf den Roten Listen finden sich daher wenig überraschend viele Feuchtgebietsbewohner wie die Bekassine in den höchsten Kategorien wieder. Bekassinen waren einst fast flächendeckend als Brutvögel bei uns verbreitet und fehlten auch im Mittelgebirge nicht. Heute leben in NRW nur noch wenige Brutpaare in wenigen sehr nassen Mooren und Feuchtwiesen.

Die gute Nachricht ist, dass Wiedervernässungen und Renaturierungsprojekte nicht selten schon nach kurzer Zeit Erfolg haben und manche bedrohte Art rasch wiederkommen kann. Leider sind es noch viel zu wenige Projekte und die Umsetzung erfolgt oft nicht konsequent genug. Die Flächen sind dementsprechend oft zu klein, um den hochgradig bedrohten Arten besser zu helfen. Bei einigen Arten hält die Bestandsabnahme daher weiter an oder eine Wiederbesiedlung, wie sie in benachbarten Regionen längst stattgefunden hat, bleibt in NRW aus. Es bleibt also viel zu tun!

Wer selbst aktiv werden möchte, kann sich an unseren Monitoringprogrammen beteiligen, die wichtige Grundlagen über den ökologischen Zustand unserer Gewässer und iherer Bewohner liefern. Das Monitoring seltener Brutvögel der Binnengewässer ist gerade in überschaubaren Gebieten wie Seen und Parkgewässern ein ideales Einstiegsmodul, an Fließgewässern lassen sich Eisvogel, Wasseramsel und Gebirgsstelze bereits mit zwei Spaziergängen im Frühjahr erfassen. Jetzt ist die richtige Zeit, sich dazu bei uns zu melden, denn die Zählsaison startet in Kürze. Wer lieber Rastvögel erfassen möchte, kann sich beispielsweise an der Wasservogelzählung beteiligen. Der Schwerpunkt der Erfassungen liegt von September bis April, aber ein Einstieg ist jederzeit möglich. Scheuen Sie sich nicht, sich bei uns zu melden!