16.05.2025

Sumpfrohrsänger beobachten und erfassen

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Sumpfrohrsänger im Brutlebensraum
(© Hans Glader)

Sumpfrohrsänger sind in NRW weit verbreitet. Allerdings ist ihre Verbreitung keineswegs gleichmäßig in der Landschaft verteilt. Oft findet man sie entlang von Gräben und Bächen. Ideale Voraussetzungen, um den unscheinbaren Vogel mit dem auffälligen Gesang entlang von Transekten zu erfassen und die Bestandsentwicklung dieses Vogels zu überwachen. Anfang bis Mitte Mai kehren sie aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück.

Rohrsänger sind eine äußerlich homogen erscheinende Gruppe – auf den ersten Blick sehen viele von ihnen fast gleich aus. Tatsächlich zeigen sie jedoch eine erstaunliche Vielfalt an Anpassungen und evolutionären Strategien. Die Brutbiologie unterscheidet sich enorm, Gesänge sind charakteristisch und auch die Lebensräume sind vielfältig. Auch wenn Arten wie der Teichrohrsänger und der bei uns mittlerweile extrem seltene Drosselrohrsänger zur Brut auf Schilf- und Röhrichtgebiete angewiesen sind, gilt das nicht ausnahmslos. Teichrohrsänger singen auf dem Durchzug, der bei uns bis Ende Mai/Anfang Juni dauern kann, oft aus Hecken und Gebüschen. Sumpfrohrsänger leben dagegen bei uns vor allem in stickstoffliebenden Hochstaudenfluren wie Brennnessel- und Staudenknöterichbeständen. Bis vor einigen Jahrzehnten waren Sumpfrohrsänger als Brutvögel selbst in Getreidefeldern weit verbreitet und der Name „Getreiderohrsänger“ war durchaus üblich. Heute steht das Korn nicht mehr so hoch – Wachstumshemmer und spezielle Sorten machen es möglich und steigern den Ertrag. Vereinzelt findet man Sumpfrohrsänger aber auch heute noch in Getreide, insbesondere im Biolandbau, wo das Korn höher wächst und manchmal beispielsweise auch ein höherwüchsiges Gemisch aus Erbse und Triticale angebaut wird.

Sumpfrohrsänger sind berühmt für ihren Gesang. Kaum eine andere Art baut so viele Imitationen anderer Vogelstimmen in ihren Gesang ein wie Sumpfrohrsänger. Wer genau hinhört, wird neben europäischen Vogelarten auch solche heraushören, deren Lautäußerungen Sumpfrohrsänger im afrikanischen Winterquartier erlernt haben. Der Gesang des Sumpfrohrsängers erinnert ansonsten entfernt an den der seltenen Blaukehlchen oder Orpheusspötter. Beim ebenfalls etwas ähnlich klingenden Gelbspötter sind die quietschenden Motive charakteristisch.

Wer sich an der Erfassung des Sumpfrohrsängers beteiligen möchte, ist eingeladen, sich am Monitoring seltener Brutvögel (MsB) zu beteiligen. Das Monitoring der „Röhrichtbrüter“ bietet sich eigentlich in NRW nur in ganz wenigen Gebieten an, da großräumige Röhrichte nur noch in wenigen Schutzgebieten vorkommen. Bei diesem Monitoring werden Gebiete entlang von Transekten erfasst. Aber gerade entlang von Gräben, Bächen und Flüssen in der Normallandschaft bietet es sich an, sich an diesem Monitoringmodul zu beteiligen. Das Modul umfasst insgesamt nur drei frühmorgendliche Begehungen (je eine Begehung innerhalb der ersten beiden Dekaden von April, Mai und Juni). Dabei werden natürlich nicht nur Sumpfrohrsänger erfasst, sondern eine ganze Reihe anderer Arten wie Rohrammer und Teichrohrsänger oder, wo die Art noch vorkommt, der Kuckuck. Über die erweiterte Artenliste lassen sich auch Wasservögel wie Stock- und Schnatterente, Teichhuhn und andere erfassen. Weitere Informationen zum MsB Röhrichtbrüter finden Sie hier. Wo Sumpfrohrsänger im Umfeld von Gewässern vorkommen, bietet sich auch das MsB Binnengewässerarten an, bei dem das Gesamtgewässer samt Uferbereich das Erfassungsgebiet bildet. Gerne richten wir mit Ihnen gemeinsam neue Transekte oder Erfassungsgebiete auch in Ihrer Nähe für Sie ein. Die Daten aus dem MsB gehen übrigens auch in ADEBAR 2 ein, so dass sich das Vogelmonitoring und das Atlasprojekt ideal ergänzen. In diesem Jahr hat die Saison schon begonnen, wir würden uns aber freuen, Sie ab 2027 beim MsB der brütenden Wasservögel begrüßen zu dürfen.